"Nathan, der Weise" – auf diese Premiere nach 20 Jahren Unterbrechung im Theatersaal des Blankenburger Schlosses haben viele gehofft. Am Sonnabend endet die Zeit des Wartens mit der Wiedereröffnung des bespielbaren Raumes.

Blankenburg. Der eine oder andere mag seinen Ohren oder Augen nicht getraut haben, als er die Ankündigung vernahm: Im Theater des Schlosses gibt es wieder eine Aufführung. Doch es ist wahr. Auch wenn der Saal noch nicht wieder im vollen Prunk einstiger Zeit hergestellt ist, die technischen Voraussetzungen sind geschaffen. "Er ist wieder bespielbar", sagt André Gast. Die spannende Frage aber bleibt: Was erwartet die Pre-mierengäste?

Über 20 Jahre gab es in diesem Schmuckstück des barocken Schlosses keine Kultur. Zuletzt wurden darin noch Abschlusszeugnisse der Fachschule für Binnenhandel ausgereicht. Doch das Ende der Konsumgenossenschaft leitete auch das Sterben der Schule ein. Das Große Schloss und mit ihm der Theatersaal stand lange leer. Eine Phase des Zerfalls begann, auch weil vermögensrechtliche Fragen geklärt werden mussten.

"Der Verfall hatte einen Namen: Hausschwamm"

Aufkeimende Hoffnungen auf die Sanierung durch den Verkauf an die "Planet Harz GmbH" zerplatzten aus verschiedenen Gründen. Statt zu Sicherungs- und Werterhaltungsarbeiten kam es in dieser Zeit sogar verstärkt zu Diebstählen und Vandalismus.

Erst Mitte des vergangenen Jahrzehnts fanden sich einige couragierte Bürger, die sich für den Erhalt des barocken Schlosses einsetzten. Mutig wurde einiges gesichert, anderes repariert. Woran es fehlte, war eine förderfähige Institution und Geld. Mit Gründung des Vereins "Rettung Schloss Blankenburg" gelang zumindest ersteres. Langsam lief die private und öffentliche Unterstützung an. Sponsoren, Spenden und erste Förderungen ließen Pläne zur Sanierung reifen. Doch je tiefer die Retter in das Gebäude eindrangen, desto stärker kam der Verfall zum Vorschein und hatte einen Namen: Hausschwamm. "Fast 85 Prozent der Decke im Theatersaal war befallen", erklärt Bauleiter Sven Ungethüm.

Das hinderte die Bewahrer des Kulturdenkmals nicht daran weiterzumachen. "Erstes Ziel wurde nach eingehender Beratung die Sanierung des Theaterflügels", erklärt Gast, Geschäftsführer der 100-prozentigen Vereinstochter "Großes Schloss Blankenburg GmbH". "Mit jeder kleinen Fertigstellung öffnen sich neue Möglichkeiten, um Einnahmen zu erzielen." Sie würden wiederum in die Wiederherstellung fließen. "Mittlerweile sind knapp drei Millionen Euro in den neuen Flügel mit Theatersaal geflossen", rechnet Ungethüm zusammen. Das Gros kam aus dem Konjunkturpaket des Bundes, aber auch das Land und der Kreis halfen mit. "Rund 70 000 Euro haben wir als Eigenmittel aufgebracht", berichtet Gast. Manche Einwohner schauten sich schon auf dem Hof und, soweit möglich, auch im Inneren um. Skepsis blieb angesichts der maroden Bausubstanz. Mit einer so schnellen Wiedernutzung des Theaters rechneten nur wenige, aber nun wird der Traum doch wahr.

Bis zur letzten Minute arbeiteten die Handwerker emsig vor allem an den Pilastern an der Wand. Farben wird es an den Wänden kaum geben. Gerade deshalb dürften die Premierenbesucher garantiert neugierig auf den Saal sein.

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