Unverhofften Zuwachs kann der Imkerverein Blankenburg vermelden. Während viele Vereine vergeblich auf Nachwuchs hoffen, haben sich zum Jahresende 2010 gleich vier junge Männer der Gemeinschaft angeschlossen, die von Inge-Lore Hebbel geführt wird.

Blankenburg/Westerhausen. Inge-Lore Hebbel konnte ihr Glück kaum fassen. "Mit unseren bisherigen zwölf Mitgliedern sah es für die Zukunft eher schlecht aus. Dann haben sich in nur einem Jahr vier Männer bei mir gemeldet, ohne dass wir die Werbetrommel mehr als sonst gerührt haben", ist die Vorsitzende des Blankenburger Imkervereins überglücklich, dass sich doch noch Menschen finden, die sich der Imkerei widmen möchten. Und das aus rein ökologischem Bewusstsein heraus. Denn einfach ist dieses Hobby keineswegs. "Imkerei ist ein sehr komplexes Thema, fast schon eine Wissenschaft", sagt Inge-Lore Hebbel, die einst von ihrem Vater für die Bienen und die Honigproduktion begeistert wurde.

Seit Mitte der 90-er Jahre leitet sie von Westerhausen aus den Imkerverein Blankenburg, dem Bienenfreunde aus der Blütenstadt, aber auch aus Stiege, Hasselfelde, Timmenrode und Elbingerode angehören. "Imker sind Individualisten", sagt Inge-Lore Hebbel. Sie tauschen sich zwar untereinander gern aus. "Aber wir treffen uns leider nicht alle regelmäßig." Meist beschränkt sich das Fachsimpeln auf persönliche Besuche. Deshalb ist es nun schön, dass wieder Nachwuchs da ist. "Durch die Jungen werden wir uns wohl wieder öfter mal treffen", hofft sie. Denn immerhin sind drei der neuen Mitglieder völlig "unbeleckt".

Allerdings ist für sie die Zeit günstig, in das neue Hobby einzusteigen. "Es gibt viele Imker, die altersbedingt aufgeben. Deshalb kommen interessierte Jungimker günstig an Werkzeug, an Bienenwagen, Wabenschrank und vieles mehr", weiß Inge-Lore Hebbel. Und die Tiere? "Da gibt es eine alte Weisheit: Das erste Volk bekommt man geschenkt. Das zweite fliegt einem zu", sagt sie augenzwinkernd.

Doch ist es schon eine Kunst, den Bienenbestand zu halten und sogar zu vermehren. Im vergangenen Jahr konnte Inge-Lore Hebbel die Zahl ihrer Völker von acht auf 16 verdoppeln. "Wenn ich 2011 noch zehn habe, bin ich schon zufrieden", sagt sie. Denn im Winter bedrohen Feinde wie Dachs, Specht und die kleine Spitzmaus die Bienen. "Sie fressen sie nicht nur, sondern bringen viel Unruhe in die Völker, die dadurch zuviel Energie verbrauchen und den Winter dann nicht überstehen", so die Expertin, deren Tieren auch Bienenkrankheiten wie Varose, Amerikanische Faulbrut und zunehmend leider auch wieder Pflanzenschutzmittel zu schaffen machen.

Hinzu komme die "einseitige Ernährung" der Bienen. "Denn das Spektrum an Pollen macht‘s", sagt die erfahrene Imkerin, deren Tiere im wahrsten Sinne auf "blühende Landschaften" angewiesen sind, um den von uns so begehrten Honig produzieren zu können. "Doch nach dem Raps kommt oft nichts mehr, was für Bienen interessant ist", klagt Hebbel. Etwas Robinie und Linde – dann sei Schluss. "Ab 15. Juli hungern die Bienen förmlich", weiß sie. Deshalb richtet sie auch eine große Bitte an Landwirte und Kleingärtner, doch wie früher auch Rotklee, Luzerne und Ackerbohne anzubauen. Oder Phacelia – nicht von ungefähr "Bienenfreund" genannt.