Der Wernigeröder Sportverein "Rot Weiß" (WSV) hat die Gaststätte im Sportzentrum am Gießerweg geschlossen. Aus Kostengründen, begründet die Vereinsspitze. Kegelsportler wie der Wernigeröder Kurt Kirchhoff befürchten nun den Anfang vom Ende und das Aus für ihre Sportstätte. Gestern erklärte WSV-Präsident Armin Willingmann: "Wir wollen unseren Kegelsport erhalten."

Wernigerode. "Wir Kegelsportler machen uns große Sorgen um unsere schöne Vier-Bahnen-Anlage." Das sagt der WSV-Sportler Kurt Kirchhoff im Volksstimme-Gespräch, und wie er betont, spreche er im Namen vieler Kegler.

Das Aus für die öffentliche Gaststätte der Kegelbahn und die Kündigung der beiden Mitarbeiter haben die Rot-Weiß-Kegler aufhorchen lassen. Spricht Kirchhoff von der modernen Vier-Bahnen-Sportanlage, gerät er nahezu ins Schwärmen: "Wir haben viele befreundete Vereine, die sich bei Wettkämpfen hier in Wernigerode ausgesprochen wohlfühlen. Für unsere Anlage, auch für unsere Gaststätte, gab es ausnahmslos nur Lob."

Fünftes Rad am Wagen

Von langen Wartezeiten für Freizeitkegler berichtet der aktive Sportler: "Sie ist praktisch für das ganze Jahr bereits ausgebucht, das sorgt doch für zusätzliche Einnahmen." Dass die Kegel-Sektion finanziell nicht auf Rosen gebettet sei, das wissen auch die Sportler. Darum, so Kurt Kirchhoff, habe er privat Sponsoren angeworben, die beispielsweise die Fahrten der WSV-Athleten zu Wettkämpfen mitfinanzieren: "Das spart uns 2000 Euro, das ist doch eine stolze Summe."

Der Sprecher der Kegler gibt unumwunden zu, dass es zwischen seiner Sektion und dem WSV-Gesamtverein "bereits seit drei, vier Jahren immer wieder mal Probleme gibt". Darum habe man vom Präsidium erwartet, dass dessen Vertreter mal an einer Versammlung der Kegler teilnehmen oder auch Wettkämpfe verfolgen – erfolglos. Kirchhoff. "Wir fühlen uns wie das sprichwörtliche fünfte Rad am Wagen." Diesen Vorwurf hat gestern Max Zimmer für das Vereins-Präsidium entschieden und als unredlich zurückgewiesen. Gegenüber der Volksstimme erklärte er: "Mit unseren Keglern befasst sich das Präsidium weit über Gebühr. Unser Verein hat 1400 Mitglieder in 20 Sektionen, unsere Kegler machen davon 58 Sportler aus."

Vereinspräsident Armin Willingmann bestätigte, dass der WSV die Gaststätte im Dezember geschlossen und den beiden Mitarbeitern gekündigt habe. "Schweren Herzens, aber angesichts der Zahlen hatten wir keinerlei Alternativen." Allein die Pachtzahlung des Vereins für die Kegelbahn betrage ein Vielfaches dessen, was die Kegler an Beiträgen abführten, so Willingmann. Zwei Jahre lang habe sich der WSV bemüht, die Finanzlage der Kegler-Gaststätte aufzubessern. Weder Preiserhöhungen noch verstärkte Werbung hätten das gewünschte Ergebnis gehabt.

Ein Euro mehr abgelehnt

Beim Thema Finanzen kann sich der WSV-Präsident Max Zimmer nicht den Hinweis ersparen, dass die Kegelsportler es abgelehnt haben, ihren ohnehin nicht kostendeckenden Mitgliedsbeitrag um einen Euro pro Monat zu erhöhen.

2005 habe der Verein die Kegelbahn von der Wernigeröder Stadtverwaltung gemietet, die ihrerseits den Gebäudekomplex von der Firma Nemak miete. Willingmann: "Wir hatten uns seinerzeit eine Belebung des Breitensports versprochen, das hat sich nicht erfüllt." Er muss auch sagen, dass sich die Zahl der WSV-Kegler von 90 auf inzwischen 58 verringert habe. "Ideeller Kegelsport und der Wirtschaftsbetrieb samt Gaststätten haben nicht zueinander gepasst, das muss man heute konstatieren." Zimmer ergänzt: "Ja, die Bahn ist beliebt und gut besucht, leider aber mit starken saisonalen Schwankungen, das trägt auf Dauer keine Gaststätte."

Wie Willingmann und Zimmer informierten, werde im Präsidium seit langem intensiv über die Zukunft der Sportanlage, auch über eine mögliche Lösung für die Gaststätte beraten. Der WSV-Chef: "Den Kegelsport in unserem Verein zu erhalten, das ist derzeit unser wichtigstes Anliegen."

   

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