In der Serie "Neue Fassaden – alte Geschichten" stellt die Harzer Volksstimme historisch interessante Häuser in Wernigerode vor. Mit diesem Thema haben sich auch Heimatforscher und Mitarbeiter der Oskar Kämmer Schule, unterstützt von der KoBa, befasst. Ihre Erforschung fließt in die Beschreibungen mit ein. Der Rundgang führt heute zur Hinterstraße 38.

Wernigerode. Rosemarie Gut hat ihre Wurzeln in Wernigerode. Allerdings verbrachte sie viele Jahre ihres Arbeitslebens in Berlin, von wo sie mit ihrem Ehemann Günter Gut nach der Wende wieder in den Harz zurückkam. Als beide dort durch das Heideviertel bummelten und am Haus Nr. 38 in der Hinterstraße auf dem Schild eines Maklers lasen, dass der leerstehende Fachwerkbau verkauft werde, griffen sie zu. Damals ahnten sie nicht, wie viel Aufwand notwendig sein wird, um ihn zu sanieren.

Vom Dach bis zum "Kriechkeller", wie sie jetzt schmunzelnd sagen, wurde vieles erneuert. "Der unterirdische Lagerplatz musste durch Erdaushub erst begehbar gemacht werden", erinnert sich Günter Gut. Viele Balken wurden ausgewechselt, der desolate Abwasserkanal neu verlegt, innen durch Anbauten in Richtung Ringstraße mehr Platz und eine ordentliche Zufahrt geschaffen.

Wenn das Ehepaar Gut über den Umbau spricht, schwingt viel Stolz mit. Dank vielfältiger Unterstützung durch heimische Bauhandwerker sei, so Günter Gut, die Bauphase sehr kurz gewesen, vom 15. November 2001 bis zum 15. März 2002. Die beiden 70-jährigen Eheleute verfügen nun über 157 Quadratmeter Wohnfläche auf über drei Etagen, und dem ausgebauten Dachgeschoss verteilt, mit herrlichem Blick aus den Fenstern zum Westerntorbahnhof und zum Wernigeröder Schloss.

Ihr Haus ist sechs Meter breit und nach hinten acht Meter lang, das Grundstück bis zur Ringstraße 20 Meter lang.

Auch von außen ist das Gebäude, das gegen 1660 erbaut wurde, sehenswert. Werden die Eheleute gefragt, wie alt ihr Haus ist, nennen sie diese Jahreszahl, obwohl es dort auch Balken gibt, die 1527 gefertigt worden sein sollen und möglicherweise von einem anderen Haus, vielleicht sogar einem Vorgängerbau, stammen. Erfreulich für die Guts ist, dass ihr Haus vom Stadtbrand von 1847 verschont blieb.

Bei ihrem Haus fällt das wuchtige Balkenwerk aus dem 17. Jahrhundert mit zwei großen, geschosshohen durchkreuzten Rauten im Obergeschoss und drei Andreaskreuzen in den Gefachen der Brüstung auf. Die Schwelle wird durch eine starke Profilleiste optisch vergrößert. Dieser Eindruck wird durch die Kehlungen zwischen schmucklosen, nur abgerundeten Balkenköpfen etwas gemildert. Das Erdgeschoss auf der linken Seite wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verändert. Die Ausfachungen bestehen jetzt zu großen Teilen aus einer Mischung aus Ziegeln und Lehm. Als Deckputz wurde ein Kalk- und Sandmörtel verwendet. Die Eingangstür wird der gleichen Umbauphase zugeordnet.

Ein erster Bewohner mit Namen Albrecht Müller ist 1666 nachweisbar. Es folgten 1677 Hans Meyer, 1700 Philipp Meyer. In der Chronik werden zuerst mehrere Familien ohne Berufsbezeichnung genannt, dann ab 1838 wird vom Arbeitsmann Holzhauer Carl Oberbeck, dann 1867 offensichtlich von seinem Sohn Holzhauer Wilhelm Oberbeck, dann 1874 vom Maurer und Fuhrunternehmer Heinrich Mahrholz und 1928 vom Fuhrmann Otto Geikler berichtet. Von einer Familie Sackmann ist das Haus schließlich in die Hände der Familie Gut gelangt, der es viel Freude bereitet, dort zu wohnen.

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