Dalingerode. Ist das ein Zeichen? Ausgerechnet, als sich Ulrich Thomas am späten Mittwochabend mit dem "Nummerngirl" Pia unter der magischen 100 feiern lassen will, ergeben die drei aneinander gehaltenen Tafeln eine 001.

Wobei es dem CDU-Kreischef trotz großen Engagements nicht gelingen will, die vier über den Abend verteilten Pia-Auftritte, dabei stets größere Zahlen hochhaltend, verständlich zu machen: Zustimmung des Publikums zum Programm? Etwa die Prognose zur Wahl? Egal, in der Sandtalhalle wird beim 20. "Politischen Aschermittwoch" kräftig applaudiert. Allein der Beifall für alle mehr oder minder prominenten CDUler beinahe abendfüllend.

Thomas gelingt es dafür, die Stimmung im Saal "vorzuheizen": Er will erst gar keinen Zweifel aufkommen lassen, dass ein anderer als seine CDU der Wahlsieger sein könne. Genauso deutlich hat er den Hauptkonkurrenten im Blick: "Wer glaubt, dass die Linke unser Land regieren kann, der glaubt wohl auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten."

Dass mit Wolfgang Böhmer und Reiner Haseloff aus Sicht der Christdemokraten der alte und der neue Ministerpräsident in die Harzer Provinz gereist sind, sorgt für überregionales Interesse: TAZ, sueddeutsche.de und Berliner Tagesspiegel, auch das MDR-Fernsehen haben Journalisten entsandt, und in Wahlkampfzeiten gibt es sogar donnernden CDU-Beifall für den Volksstimme-Reporter.

Polit-Aschermittwoch in der Sandtalhalle: Das ist in diesem Jahr nicht nur deftige Kost der Redner in der Bütt, dazu Grünkohlessen unter Faschingsgirlanden und Blasmusik aus Heudeber. Auch die Cheerleader vom Wernigeröder Sportverein sollen den knapp 240 zumeist älteren Parteifreunden einheizen – vielen bleibt vor allem die Musik in Erinnerung. "Viel zu laut", so schimpft eine Gruppe Älterer beim Hinausgehen.

Ein dickes Lob gibt es für einen Christdemokraten, der auf keiner Liste zur Landtagswahl zu finden sein wird: Michael Ermrich. Der Harzer Landrat ist mit allen politischen Konkurrenten hart ins Gericht gegangen. Genauso wie er es angekündigt hat: "So, jetzt wollen wir mal Wahlkampf machen."

"Sonnenblumen werden jetzt für Bio-Sprit gebraucht"

Vom Porsche fahrenden Linke-Chef Ernst bis zu den auf Grüne-Plakaten fehlenden Sonnenblumen, da diese jetzt für den "Bio-Sprit" benötigt würden, der Schwarze kennt in der Bütt keinen Pardon. Das bekommt auch der Noch?-Koalitionspartner zu spüren. Zwar sei SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn "ein guter Mann, aber auch der Architekt der rot-roten Minderheitsregierung …".

Der Landrat verhehlt seinen Wunsch nicht, die "Große Koalition" möge Sachsen-Anhalt weiterregieren. Allerdings, diese Konstellation ist mitnichten eine Liebesheirat, taugt höchstens zur Zwangsehe. "Und dort", so Ermrich, "braucht man einen, der bestimmt. Darum sage ich: Haseloff ist dran."

Die Wahlkampfexperten in der CDU haben für ihr Promi-Doppel in Darlingerode zwei aus dem Fernsehen bekannte Journalisten engagiert und sie zu einer Fragerunde mit Wolfgang Böhmer und Reiner Haseloff an einen Tisch gesetzt. Auffallend, nervig und letztlich auch peinlich dabei, wie oft in diesen 25 Minuten die Worte Wessi und Ossi gefallen sind. Gelacht wird aber auch, etwa als Haseloff als Autor kurzer prägnanter Sätze bezeichnet wird. Doch dieser weiß zu kontern, manche Grammatik-Ungetüme in seinen Reden trage er nur aus einem Grunde vor: "Damit wir Ossis intellektuell unter uns bleiben können."

Zur gespielten Talkshow gehört ein Fragebogen. Während der scheidende Regierungschef in seinen Antworten mit seinem Alter und dabei dem Wunsch kokettiert, junge Frauen mögen auch ihm mal hinterher schauen, bemüht sich stattdessen der Kandidat um staatsmännische Formeln, dabei zugleich wichtige Wahlbotschaften auflistend. Fast zum Schluss die Frage, wie sich beide die Hölle vorstellten. Haseloff: "Bestimmt voller Wessis", Böhmer: "Also, das schreckt mich jetzt nicht."

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