Bilanz zog gestern Guido Sünnemann, Leiter des Revierkriminaldienstes des Polizeireviers Harz in Halberstadt, über das Kriminalitätsgeschehen 2010.

Halberstadt. Von den Parolen "wilder Osten" und "goldener Westen", was die Sicherheitslage der Bürger anbelangt, hält Guido Sünnemann überhaupt nichts. "Davon kann keine Rede mehr sein." Im Landkreisranking der erfassten Fälle je 100 000 Einwohner belege der Harzkreis mit 6943 Fällen hinter Magdeburg (12 632) Stendal (7338) und dem Salzlandkreis (7062) den vierten Platz. Im Landkreis Goslar, der mit dem Harzkreis vergleichbar sei, habe man hingegen 7135 Fälle gezählt.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 15 707 Fälle erfasst (Vorjahr 16 322), von denen 8587 aufgeklärt werden konnten. Überall im Harzkreis verzeichnet man eine Abnahme der Fälle. In Wernigerode um 389 auf 3282, in Thale um 597 auf 1116 in Blankenburg von 68 auf 1330 und Quedlinburg um 12 auf 3348.

"Hier muss niemand Angst haben"

Nur Halberstadt bildet dabei eine Ausnahme. Hier wuchs die Zahl der erfassten Fälle um 451 auf 6631. Dass bedeute jedoch nicht, dass die Kreisstadt oder der Altlandkreis Halberstadt eine Hochburg der Kriminalität sei, so Sünnemann. Allein 218 Fälle hätte ein Täter zu verantworten, der illegal über das Internet Software verkauft habe.

6876 Tatverdächtige konnten die Beamten im Harzkreis dingfest machen. Ein Plus von 155 im Vergleich zum Vorjahr. Davon waren 1883 Frauen und 4993 Männer. Der Anteil von Ausländern lag bei 815. "Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, nichtdeutsche Täter spielen in der Kriminalstatistik nur eine untergeordnete Rolle", schränkte Guido Sünnemann ein. Über 80 Prozent der Fälle seien Verstöße gegen das Asylrecht. "Hier muss niemand Angst vor marodierenden Truppen aus dem Ausland haben", betonte der Kripo-Chef. "Ich will hier auch nichts schön reden. Ausländer finden wir natürlich auch bei Hauseinbrüchen, dem Verteilen von Rauschgift und beim Diebstahl von hochwertigen Pkw."

Einen Anstieg verzeichneten die Ordnungshüter bei den Rauschgiftdelikten von 299 im Jahr 2009 auf 363. "Wir sind kein weißer Fleck mehr auf der Karte", so der Kriminaloberrat. Man könne hier "jede Droge zu jeder Zeit kaufen". Da sich kein Konsument selbst anzeigt, müsse man viel Man-Power, also Personal, investieren.

"Wird das geklaut, was Geld bringt"

Zu den größten Ermittlungserfolgen gehörte ein Fall in Osterwieck, wo 1,3 Kilogramm Haschisch, 517 Gramm Amphetamine und 32 Gramm Crystal sichergestellt wurden. In jüngster Zeit verzeichne man immer wieder Einbrüche in Tierarztpraxen, wo ein Betäubungsmittel für Tiere gestohlen und anschließend von Rauschgiftsüchtigen konsumiert wird. Viele der registrierten Diebstähle sei eindeutig Beschaffungskriminalität. "Es wird das geklaut, was sich schnell in Geld umsetzen lässt, um damit Drogen zu kaufen", bringt es Guido Sünnemann auf den Punkt.