Als ein "Leuchtturm der Tourismuswirtschaft" ist der Hasseröder Ferienpark am Donnerstag ausgezeichnet worden. Geschäftsführer Erik Voigt hat im Volksstimme-Gespräch erklärt, warum ausländische Gäste so wichtig für die Ferienhaussiedlung in Wernigerode und die Harzregion insgesamt sind.

Wernigerode. Warum Dänemark? Der Zirkel war‘s und die Vorgabe – maximal fünf Stunden. Erik Voigt erklärt: "Wir haben am Anfang geschaut, wo wohnen unsere Gäste, die in höchstens fünf Stunden Autoanreise entfernt leben?"

Für den Geschäftsführer des Hasseröder Ferienparks kam nicht unerwartet, Metropolen wie Berlin, das Ruhrgebiet, Hamburg im Kreis zu finden. Der Zirkel auf der Karte hat allerdings auch die Niederländer und Dänen als potenzielle Harzurlauber "erkannt".

Mit Hilfe von gleichermaßen großen wie international erfolgreichen Reiseveranstaltern wollen die Verantwortlichen ihren Tourismusbetrieb vermarkten. Diese Aufgabe erscheint angesichts der Wernigeröder Dimensionen keine "Kleinigkeit" zu sein. 145 Ferienhäuser, ausgestattet mit 650 Gästebetten, warten auf Kundschaft. Auch die Investition von stattlichen 23 Millionen Euro will refinanziert werden, und nicht zu vergessen: 60 Mitarbeiter warten auf pünktliche Lohnzahlung.

Die Geschäftsidee von Voigt und seinen Geschäftspartnern hat Erfolg: In Wernigerode wird 2005 – nach quälend langen Jahren der Suche nach Investoren und Finanzierern, unterstützt mit 10 Millionen Euro an Fördergeldern – der größte Harzer Ferienpark eröffnet. Dass dieses sich speziell an Familien richtende Angebot dem Konzept der "CenterParks" ähnelt, mag Erik Voigt gar nicht leugnen. Der Ferienpark in Hasserode hat indes den Vorteil, am Rand einer weithin bekannten Tourismusstadt zu liegen, die mit Attraktionen wie der Natur rings um den Brocken, der Schmalspurbahn, dem Schloss …

Wird in Wernigerode anfangs geargwöhnt, dieser riesige Konkurrent verhagele den etablierten Anbietern das Geschäft, so spricht die Statistik heute eine andere Sprache. Selbst die Verantwortlichen der Jugendherberge – auch sie zielen inzwischen bekanntlich auf Familien als Gäste – bekennen freimütig: Der Ferienpark, obwohl in unmittelbarer Nachbarschaft gelegen, habe nicht für sinkende Übernachtungszahlen gesorgt.

Apropos Zahlen, nicht ohne Stolz verweist Voigt darauf, dass er in dieser Saison den Gast erwarte, der für die Einmillionste Übernachtung sorge. Durchschnittlich zu 73 Prozent – das ist in der Branche ein herausragender Wert – ist das Urlaubsdomizil in Hasserode ausgebucht, und das seit Jahren nahezu konstant.

"Heute stehen hier 60 Leute in Lohn und Brot"

Der 41-Jährige verweist ebenso auf den Erfolg für den Arbeitsmarkt. An das unterstützende Steuergeld war die Bedingung geknüpft, 35 sichere Stellen zu schaffen. Heute stehen im Ferienpark 60 Frauen und Leute in Lohn und Brot; in der Saison werden sie von bis zu zehn Kollegen unterstützt. Für Erik Voigt gehört zum Unternehmenserfolg, dass er auch eine Kolonne aus 20 Mitarbeitern beschäftigen kann, die die Gästehäuser reinigen. Ist der typische Harzwanderer ein Urlauber, der höchstens drei Tage pro Besuch übernachtet, sind Ferienparkgäste mindestens sechs Tage in Wernigerode.

Voigts aktuelles Ziel ist, die Übernachtungsdauer auf sieben zu erhöhen. Dabei helfen sollen Gäste aus den Niederlanden und Dänemark, die die Wernigeröder speziell umsorgen. Ihre Angebote werden in beiden Ländern von den Veranstaltern Thomas Cook und TUI vermarktet, das macht 40 Prozent des Kontingents aus. Wichtig sind auch Stammgäste, die ein zweites, drittes Mal und öfter nach Hasserode reisen. Auf aktuelle Angebote werden sie mit Hilfe von sogenannten Newslettern hingewiesen, die sie per Mail dreimal jährlich in ihrer Muttersprache erhalten.

Nach Einschätzung des Ostdeutschen Sparkassenverbandes ein Vorbild, das durchaus Nachahmer finden sollte. Der jetzt verliehene Preis soll den Ferienpark als "Leuchtturm" ausweisen, als Wegweiser: Die Tourismusbranche kann auch mit Hilfe ausländischer Gäste wachsen.

Wie gesagt, der Zirkel hat den Blick der Verantwortlichen des Hasseröder Ferienparks auf die Auslandsmärkte im Norden und Westen gelenkt.

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