Wernigerode (jmü). Wernigerodes Stadträte haben in ihrer Sitzung am Donnerstag die Straßennamen für das neue Industriegebiet "am smatvelde" beschlossen. Die Wege heißen künftig: Hans-Falkenhagen-Straße, Kratzenstein-Ring, Karl-Försterling-Straße und Paul-Renner-Straße.

Damit werden sich laut Stadtverwaltung auch einige Anschriften von Bewohnern der Straßenbereiche "Im Stadtfelde" und "Schmatzfelder Chaussee" ändern. Aber: Dadurch entstünden den Bürgern zum Beispiel bei der Eintragung in die Personalausweise keine Kosten. Ummeldungen bei den Ämtern der Harzkreisverwaltung hingegen richten sich nach den bestehenden Entgeltordnungen.

Die vorgeschlagenen Straßennamen erinnern an Persönlichkeiten, die in Wernigerode geboren sind und sich bedeutende Verdienste in Zweigen der Naturwissenschaften und Typografie erworben haben.

Hans Falkenhagen (geboren am 13. Mai 1895 in Wernigerode, gestorben am 26. Juni 1971 in Rostock) war ein Physiker und Mitbegründer der Elektrolyttheorie. Er entdeckte unter anderem parallel zum Physiker James Chadwick ein Elementarteilchen, dass zwar eine Masse, aber keine Ladung besitzt (Neutron).

Christian-Gottlieb Kratzenstein (geboren am 30. Januar 1723 in Wernigerode, gestorben am 6. Juli 1795 in Frederiksberg) war Professor für Mathematik und Mechanik in St. Petersburg sowie später für Experimentalphysik an der Universität Kopenhagen. Kratzenstein war Mitbegründer der physikalischen Medizin unter Verwendung der Elektrizität. Er wandte frühzeitig bei Patienten die Elektrotherapie an.

Karl Försterling (geboren am 23. April 1885 in Wernigerode, gestorben am 20. Juni 1960 in Köln) promovierte 1909 mit einer Arbeit über Licht-Reflexion an optisch aktiven Körpern und veröffentlichte 1928 sein Lehrbuch der Optik. Jahre später wandte er sich der Ausbreitung elektromagnetischer Wellen in inhomogenen Medien und der Dispersion im leitenden Plasma zu.

Paul Renner (geboren am 9. August 1878 in Wernigerode, gestorben am 25. April 1956 in Hödingen) war Typograf und Grafikdesigner. Er studierte Malerei in Berlin und lehrte ab 1926 an der Frankfurter Kunstschule Werbegrafik und Typografie. Er übernahm 1927 die Direktion der Meisterschule für Deutschlands Buchdrucker. Im April 1933 wurde Paul Renner von den Nazis verhaftet. Er emigrierte 1933 in die Schweiz.

Paul Renner entwickelte beispielsweise die serifenlose Schriftart Futura, die 15 Schriftstile hat. Variationen sind unter anderem Futura light bis Futura Display.