Die monatelang an Ilsenburgs Forellenteich erwogene Stromerzeugung ist vom Tisch. Dort soll die historische Radstube rekonstruiert werden. Stattdessen verspricht ein weitgehend unbekannter Wasserfall der Ilse am Walzwerk bessere Voraussetzungen zu bieten, auf natürlichem Wege Energie zu erzeugen.

Ilsenburg. Dass Ilsenburg mitten im Stadtgebiet einen mehr als sieben Meter hohen Wasserfall haben soll, dürfte die meisten überraschen. Und doch ist es so. Dabei ist der Grund relativ einfach.

Zum Einen befindet sich die künstlich angelegte Kaskade zwischen dem Veckenstedter Weg und dem Walzwerk und ist hinter Bäumen und Sträuchern nicht einzusehen. Zum Anderen ist das städtische Areal durch hohe Zäune auch verschlossen. Das ist an dieser Stelle schon Jahrzehnte so. Früher gehörte der jetzt "wiederentdeckte" Wasserfall auch zum Betriebsgelände des Walzwerkes. Nachdem die Ilse von Vorbeifahrenden und Passanten völlig unbemerkt sieben Meter in die Tiefe stürzt, verschwindet sie auf 200 Metern in einem unterirdischen Kanal. Auch dieser Umstand dürfte vielen Ilsenburgern nicht bekannt gewesen sein.

"Spätestens in drei Jahren erzeugen wir an der Ilse Strom"

Wie Klaus Oppermann vom Ilsenburger Zweigverein des Harzklubs informierte, soll in den nächsten zwei, spätestens drei Jahren an dieser Stelle ein ökologisch arbeitendes Wasserkraftwerk entstehen und Strom erzeugt werden.

Unklar sei allerdings, ob dabei ein Wasserrad oder eine Turbine zur Anwendung kommen.

"Hoffnung, dass Fukushima als Katalysator wirkt"

Oppermann sieht die Chancen des ehrgeizigen Projektes durch die verheerende Atomkatastrophe in Japan als durchaus machbar an: "So schlimm das auch ist, vielleicht hilft so ein Desaster am anderen Ende der Welt, Politiker hierzulande dazu zu bewegen, solche sinnvollen Projekte endlich schneller umzusetzen. Das wäre doch nur zu begrüßen."

Unterdessen sind die Bäume am historischen Standort der Radstube, nördlich des Forellenteiches, gefällt. Starke Wurzeln hatten das historische Mauerwerk in erheblichem Maße beschädigt.

Noch in diesem Jahr wird laut Klaus Oppermann die mehrere Meter tiefe Grube vom Unrat befreit. Dort wurden im Laufe der Jahre sogar ein Fahrrad und auch ein Fernseher illegal "entsorgt". Oppermann: "Uns vom Ilsenburger Zweigverein des Harzklubs geht es darum, die fast vergessene Radstube für Touristen wieder stärker ins Blickfeld zu rücken. Sie wird an exponierter Stelle zum festen Bestandteil des neuen Industrielehrpfades "Vom Erz zum Metall". Man werde sie also "aus der Versenkung holen und für die Öffentlichkeit zugänglich machen". Das Ganze, wie erwähnt, ohne Turbine.

Alle in das Projekt des Kraftwerkes involvierten Fachleute hätten sich für den günstigsten Standort zur Stromerzeugung ausgesprochen, eben jenem neben dem Walzwerk.

Im Moment würden die Mühlen der Bürokratie gerade anlaufen. "Die Klärung der wasserrechtlichen Fragen sind natürlich kompliziert und nehmen deshalb jede Menge Zeit in Anspruch", so Oppermann.

Der Metallurgieexperte beabsichtigt, auch diesen natürlichen Stromerzeuger später öffentlich zugänglich zu machen und ihn damit in "seinen" Industrielehrpfad miteinzubinden.

Dazu genüge ein Trampelpfad vom Veckenstedter Weg zur Halde. Diese müsse sowieso zum Teil abgebaggert werden, um überhaupt genügend Platz für das Mini-Kraftwerk zu schaffen.

Gleichzeitig sieht Oppermann freilich auch Synergieeffekte zum neuen Eisenhüttenpark ganz in der Nähe. Das würde sich alles nahtlos in das vorhandene Projekt einfügen.

Unterdessen ist die dort befindliche Köte am 21. März fertiggestellt worden. Auch im Harzklub selbst scheint man über deren Erscheinungsbild nicht eben glücklich. Mehrere Mitglieder äußerten sich in der Richtung, dass sie insbesondere durch den oberen Abschluss "nicht unbedingt einen Schönheitspreis verdiene." Ungeachtet der notwendigen Nacharbeiten, sei sei man aber dennoch froh, das Projekt überhaupt so preiswert über 1-Euro-Jobber umgesetzt bekommen zu haben.

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