Der Schaden an den Harzer Fischbeständen durch das Jagdverhalten des Kormorans wird nicht mehr hingenommen. Die Fischereipachtgemeinschaft bietet Anglern Ausgleichsfische, und bei Wendefurth wurden als Modellver- such zwei Seehunde ausgesetzt.

Wernigerode/Wendefurth. Mit einer ungewöhnlichen Idee gehen Angler und Fischfreunde jetzt gegen die Bedrohung der Bestände in Harzer Gewässern durch den Kormoran vor.

Dazu wurde dieser Tage ein Seehundpärchen im Wendefurther Stausee ausgesetzt. Es sei zunächst ein Modellversuch, der gemeinsam mit der Seehundaufzuchtstation Hamburg gestartet wird, wie Fischfreund Mike Hopstock (Schierke) informierte. Er installierte auch eine von der EU dafür vorgeschriebene schwimmende Seehundehütte. Die beiden Seehunde (Phoca vitulina) sind in Elbwasser groß geworden und dürften sich auch im Bodewasser wohlfühlen.

Seehunde fressen zwar auch Fisch, aber weniger als die geradezu gierigen Kormorane, sie seien das kleinere Übel, hieß es. Zudem soll durch Fütterung der Appetit des Seehundpärchens auf Harzfisch gezügelt werden. "Seehunde und Raubvögel wie Kormorane gehen sich wegen gegenseitiger Nahrungsinteressen aus dem Weg", weiß Mike Hopstock als passionierter Angler aus Erfahrung. "Und", so der Schierker weiter: "wo Seehunde leben, sind kaum Kormorane."

Hintergrund sind die enormen Fischverluste im letzten Jahr, in dem der Kormoran "Vogel des Jahres" war. Besonders bei Jungfischen wird ein Totalverlust nicht ausgeschlossen. Zudem darf der Fischfresser nur noch bis Ende des ersten Quartals gejagt werden. "Und was wird dann?", bangen die Angler.

Die Fischereipachtgemeinschaft Bodetalsperren konstatierte für 2010 einen "großen wirtschaftlichen Schaden" durch den Kormoran. Er sei auch Schuld, dass viele Angler ihr Fanglimit nicht erreichten. Besonders beim Angeln in der Mandelholzer Sperre. Wie der Fischereischutzbeauftragte Matthias Winkelmann aus Wernigerode informierte, kommt die Pachtgemeinschaft Bodetalsperren deshalb den Anglern entgegen: "Unser 1. Gewässerwart Thorsten Bormann wird heute um 9 Uhr und um 19 Uhr auf dem Parkplatz ,An der Bast‘ allen Mitgliedern, die bis dahin ohne Erfolg in der Mandelholztalsperre angelten, vier Regenbogenforellen schenken."

Forellenausgabe nur auf Angelkarte

Mit dieser Aktion soll der Verlust für Angler ausgeglichen werden, so Winkelmann. Die Ausgabe erfolge gegen Vorlage der gültigen Fischereierlaubnis und der Fangkarte.

Am Wendefurther Stausee wird wegen der Seehunde mit neugierigen Zuschauern gerechnet – und um Rücksicht auf die scheuen Tiere gebeten: Besucher sollten nicht zu nah ans Ufer gehen und Lärm auf der Staumauer möglichst vermeiden.Übrigens

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