Heute ist der "Internationale Kinderbuchtag". Für die Volksstimme Anlass, mit Kerstin Grüning, Lei- terin der Kinderbibliothek in Wernigerode, über die Lesevorlieben der Kleinen zu sprechen.

Wernigerode. Das Meer hat es ihr angetan. Schon als Kind las Kerstin Grüning am liebsten Geschichten, die am Wasser spielten. "Das Buch ¿Jonathan‘ von Günther Feustel hat mich fasziniert, als ich klein war. Darin geht es um einen Mann, der in einem Leuchtturm lebt", erinnert sich die Leiterin der Wernigeröder Kinderbibliothek. Auch die DDR-Klassiker "Alfons Zitterbacke" von Gerhard Holtz-Baumert und "Lütt Matten und die weiße Muschel" von Benno Pludra zählt sie zu ihren Lieblingsbüchern aus Kindertagen.

Die Begeisterung fürs Lesen, die sie selbst schon in jungen Jahren entwickelte, möchte Kerstin Grüning weitergeben: Seit 22 Jahren leitet sie die Kinderbibliothek im Oberpfarrkirchhof 4 a. "In der langen Zeit habe ich viele kleine Leseratten bis in die Pubertät hinein mit Geschichten versorgt. Und manche, die früher regelmäßig Bücher bei uns geliehen haben, kommen heute mit ihren eigenen Kindern her", freut sich die Wernigeröderin.

Fast 800 Bücherwürmer, davon etwa 60 Prozent Mädchen und 40 Prozent Jungen, sind derzeit angemeldet und haben die Wahl aus insgesamt 10000 Büchern, CDs, Zeitschriften und DVDs. Die jüngsten sind erst drei Jahre alt. In den meisten Fällen bleiben die jungen Leser Mitglied, bis sie etwa 14 Jahre alt sind. Nicht wenige wechseln dann zur Wernigeröder Stadtbibliothek. Hier finden sie für den Übergang eine Auswahl von Büchern, die sich speziell an jugendliche Leser richten, die mit einem grünen Punkt und einem "J" gekennzeichnet sind.

Kinder für das Lesen zu begeistern, sei in Zeiten des Internet schwieriger geworden, sagt die Kinderbuchexpertin. Gerade für Hausaufgaben und Vorträge greifen Schüler immer seltener auf Bücher als Informationsquelle zurück. "Nichtsdestotrotz generieren wir drei Viertel der Neuanmeldungen aus unserer Zusammenarbeit mit den Kindergärten und Schulen in Wernigerode." Ob Themennachmittage, Führungen durch die Bibliothek oder musikalische Lesungen – wie kürzlichmit dem Dresdener Liedermacher Jörg Kokott: Über die Jahre hat Kerstin Grüning in Zusammenarbeit mit engagierten Lehrern und Erziehern eine Vielzahl an Wegen gefunden, Kindern die Welt der Literatur zu eröffnen. Davon zeugen ca. 150 Veranstaltungen pro Jahr.

Und was lesen die Kleinen besonders gern? "Geschichten mit Piraten, Vampire und Mangas stehen besonders hoch im Kurs", weiß Kerstin Grüning. Während Jungen sich für Sachbücher wie die Reihe "Willi will‘s wissen" interessieren, ziehe es Mädchen eher zu belletristischen Titeln über Freundschaft und Liebe. Einige Titel erfreuen sich schon seit einigen Jahrenkonstanter Beliebtheit: Dazu zählen z.B. "Die drei Fragezeichen", die Bücher von Cornelia Funke, "Das magische Baumhaus", "Fünf Freunde" und die Pferdebuchreihe"Sternenschweif". Übrigens