Mit der Unterzeichnung erster Verträge für Bürgerarbeit gestern in Elbingerode finden Arbeitsuchende auf neue Art Beschäftigung. 70 Stellen sind für Stadt Oberharz, 80 für Stadt Blankenburg geplant. Harzer Volksstimme stellt zwei der Bürgerarbeiterinnen vor.

Elbingerode. Erste Arbeitsverträge für Bürgerarbeit im Harzkreis wurden gestern im Diakonie-Krankenhaus Harz in Elbingerode unterzeichnet.

Die Spitzen von Krankenhaus und Kommunaler Beschäftigungsagentur (KoBa) besiegelten die Schaffung von insgesamt 13 Stellen für Bürgerarbeiter/innen. Sie sollen in den nächsten drei Jahren in verschiedenen Bereichen das Krankenhauspersonal durch zusätzliche Betreuungs- und Begleitdienste unterstützen und so zusätzliche Freizeitangebote für Patienten schaffen.

So werden zum Beispiel Kitty Mahnke und Verena Krauß mit den Senioren in der Tagespflege basteln, singen und spazieren gehen, gemeinsam Zeitung lesen und die Patienten zum Arzt begleiten. Beide treten damit in ein versicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis für drei Jahre ein. Die KoBa stellte beide gestern vor.

Verena Krauß (55) etwa galt für ihren Beruf als Reiseverkehrskauffrau als zu alt, hieß es erläuternd. 2006 habe sie ihren letzten "richtigen Job" auf der Landesgartenschau in Wernigerode gehabt, seitdem aber nur noch Absagen. Die Hände in den Schoß legen wollte Frau Krauß jedoch nicht, sondern sie engagierte sich ehrenamtlich als Betreuerin für ältere Mitmenschen und setzte sich auch als Heimfürsprecherin schon mehrere Jahre lang für die Belange der Patienten im Diakonie-Krankenhaus ein.

Kitty Mahnke (41) ist seit neun Jahren auf Jobsuche. Die gelernte Textilreinigerin engagierte sich nach einer Umschulung zur Altenpflegerin ehrenamtlich in diesem Bereich. "Als ich hörte, dass es mit der Bürgerarbeit klappt, bin ich Verwaltungsleiter Herrn Harsing um den Hals gefallen", gibt sie unumwunden zu.

Mit dem Startschuss gestern im Krankenhaus Elbingerode soll die Stadt Oberharz allein nun insgesamt 70 Bürgerarbeitsplätze bei kommunalen Trägern und Vereinen erhalten, informierte die KoBa. In Blankenburg, so hieß es weiter, sollen ab August sogar 80 Stellen eingerichtet werden.

150 Stellen in Oberharz und Blankenburg

Bei diesen Stellen handele es sich "auf keinen Fall" um Konkurrenz zum ersten Arbeitsmarkt, betont Corina Reinhardt, Ansprechpartnerin für Bürgerarbeit bei der KoBa:

"Die Beschäftigung muss freiwillige kommunale Aufgaben unterstützen und im Rahmen zusätzlicher Aufgaben liegen. Tätigkeiten, die diesen Anspruch nicht erfüllen, sind auch nicht förderfähig." In Modellregionen seien bereits gute Erfahrungen gesammelt worden, hieß es weiter. Danach habe die Arbeitslosigkeit durch Bürgerarbeit um rund 50 Prozent gesenkt werden können.

"Man kann die Bürgerarbeit auch als Pilotphase für die Schaffung von echten Arbeitsplätzen bei zusätzlichen Angeboten sehen", erläuterte KoBa-Chef Dirk Michelmann gestern und betonte weiter: "Befragte Arbeitgeber bestätigen die Erfahrung, dass nicht wenige Mitarbeiter verschiedener Bereiche ihre heutigen ,festen Stellen‘ nach einer ganz ähnlichen, vorher befristeten Arbeitsmarktaktivität erhalten haben. Bürgerarbeit ist deshalb eine Chance, Arbeitgeber kennenzulernen und sich zu beweisen."

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