Elbingerode (bfa). Regelrecht gebannt verfolgten 550 Frauen aus Elbingerode sowie aus nah und fern am Sonnabendvormittag im Mutterhaus Elbingerode die Auftaktrede "Zwischen Stille und Stress".

Kaum ein Stuhl war noch frei im extra aufgestuhlten Kirchsaal, als Bärbel Wilde (61), ehemalige Pfarrerin und Buchautorin aus Lüdenscheid, ihre Rede entwarf – zwischen Stress in positiver Form als Leistungsanreger, von Wilde Eustress genannt, sowie in negativer Form als sogenannter Disstress. Dazwischen habe sich jede Frau zu entscheiden, legte Bärbel Wilde den Zuhörerinnen ans Herz.

Sie ließ am Beispiel des in der Bibel wiedergegebenen Besuchs von Jesus bei Maria und Martha deren unterschiedliche Einstellungen deutlich werden: Die eine versorgt Jesus liebevoll, richtet alles für ihn her, die andere, Maria, setzt sich einfach zu ihm. Und es sei nicht gesagt, dass Martha richtig handelt, argumentierte die Referentin. Vielleicht verpasse sie durch ihre Aktivität in jenem Moment das Wichtigste.

Der Mensch brauche Momente der Stille, des Innehaltens und Nachdenkens. Und falsch wäre es dann obendrein, wenn Martha denke, durch ihre Aktivität mehr Anrecht auf Jesu Liebe zu haben als andere. Dabei sei diese Liebe für alle da, wie sie seien, so Wilde.

"Herr segne unser Tun – und Lassen"

Die Gastreferentin traf mit ihrem immer wieder mal von "Ja!"-Rufen oder einem zustimmenden "Mhm" begleiteten Vortrag offensichtlich den Nerv vieler Frauen und heiterte auch auf. Etwa mit dem Witz, dass ein Freund dem anderen sagt: "Gestern bin ich an deinem Haus vorbeigegangen." Und der ist nicht etwa böse darüber, sondern dankbar, dass er vorbeigegangen ist und ihn also nicht gestört hat. Jesus aber sollte man immer einladen, so die Referentin.

Bärbel Wilde verwies darauf, dass das Christentum im Unterschied zu anderen Religionen keine Opfer voraussetze und spickte ihr Referat mit vielen Sinnsprüchen. So etwa: "Herr, segne unser Tun – und Lassen" oder: "Jesus kehr bei uns ein – und aus". Frauen sollten sich frei machen von zuviel Druck, Disstress vermeiden.

"Ich habe schon viele Menschen erlebt, die in einer Zukunft leben, die noch gar nicht da ist, oder die sich von der Vergangenheit niederdrücken lassen", so die Referentin. Es komme aber darauf an, in der Gegenwart zu leben. Dafür machte sie immer wieder Mut und nannte zum Abschluss auch ganz praktische Anti-Stresshelfer: Pausen einlegen, Oasen schaffen, mal innehalten, eine Zeit der Stille schaffen, Hilfe bei Gott suchen. Zeit der Stille wurde dann mit einem Musikvortrag tatsächlich geschaffen, bei dem es mucksmäuschenstill im Saal war.

Das Frauentagsprogramm wurde mit Mittagessen, Spaziergängen im Mutterhaus-Garten, Seminaren und vor allem Gesprächen fortgesetzt. Thema hier: Wie der Glaube hilft, Lebenskrisen und eben auch Disstress zu überwinden.

Parallel fanden sich in der Evangelisch Kirchlichen Gemeinschaft etwa 80 Männer zusammen, um über Kirche, Gott-esdienst und Männer zu reden und einen schönen Sonnabend zu verleben. Übrigens

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