Die Preisträger für den Landeswettbewerb "Mut zur Lücke" sind zwar ermittelt, aber nun können die Einwohner während einer Ausstellung im Ratssaal ihre eigene Abstimmung vornehmen. Ob die Ideen umgesetzt werden, entscheiden die privaten Eigentümer der Grundstücke.

Blankenburg. Wahrhaft "Mut zur Lücke" bewiesen insgesamt 13 vorwiegend in Sachsen-Anhalt angesiedelte Architekturbüros, die sich am gleichnamigen Wettbewerb zur Bebauung von zwei innerstädtischen Grundstücken in der Nähe des Marktes von Blankenburg bewarben. Mit teils ganz praktischen, manchmal aber auch "eher futuristischen Ideen", so bezeichnete sie Professor Ralf Niebergall als Vorsitzender der Jury bei der Auswertung, setzten sie die Vorgaben zum zeitgemäßen Wohnen junger Familien in Stadtzentren bei ihren Entwürfen um. Der Präsident der Architektenkammer Sachsen-Anhalts unterstrich noch einmal die schwierigen Bedingungen in der Harzstadt. Einerseits das starke Gefälle, andererseits bereits vorhandene und zu berücksichtigende Gewölbekeller für die Marktstraße 4/5 oder das nur knapp 200 Quadratmeter große Grundstück an der Schulstraße 11. "Zugleich galt es, zwischen dem Einfügen in die Straßenflucht der historischen Altstadt und einem modernen Bau des 21. Jahrhunderts abzuwägen", verwies Niebergall auf die gestiegenen Wohnansprüche. Immerhin sei es ein zentrales Anliegen des Wettbewerbs, "vor allem junge Menschen wieder zum Wohnen in der Innenstadt zu motivieren."

Blankenburg gehört neben Eisleben, Halberstadt, Stendal, Wittenberg und Schönebeck zu den sechs Städten in Sachsen-Anhalt, in denen mit Unterstützung des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr und unter der Regie der Architektenkammer solche Entwürfe erstellt werden konnten. "Es war spannend und seltsam zugleich", freute sich Bauamtsleiter Joachim Eggert im Ratssaal zur Preisverleihung und gleichzeitigen Eröffnung der Ausstellung mit Entwürfen für beide Flächen auch darüber, dass "die vorhandenen Lücken plötzlich große Aufmerksamkeit erlangt haben."

Die alte Bausubstanz in der Marktstraße, Ecke Badegasse, wurde erst im vergangenen Jahr durch einen Brand noch stärker in Mitleidenschaft gezogen. Am besten würde sie durch eine Idee des Halberstädter Teams von ARC Architekturconzept GmbH um Steffen und Ulrike Lauterbach sowie Frank Schaper und Andreas Wolf ersetzt, sah es die Jury. "Hinter einer Lamellenfassade an der Straße soll der nach Süden ausgerichtete Wohnbereich angefügt werden", beschrieb Lauterbach den Plan von einem "Haus mit viel Licht und Luft".

"Es wäre toll, wenn beide Lücken bald verschwinden"

Die Dachhöhen würden dabei wie früher sein, freuten sich Lauterbach und Wolf über fast 4000 Euro Prämie für den ersten Preis. Mit "halben Höhen" hatten dagegen Helmut, Gesine und Dirk Seyffert vom gleichnamigen Architekturbüro in Wernigerode ihr Konzept entwickelt, das mit dem zweiten Preis belohnt wurde, während Platz drei an Wolfgang Teichert und Andreas Bollmann nach Halle ging.

Hinter dem erfolgreichen Konzept für die Schulstraße 11 von Jens R. Fischer, Ulrike Kegler sowie Daniela Nölte aus Leipzig gewannen Falko und Jeannette Nosovsky, die "noa architekten" aus Hasselfelde, den zweiten Preis für ein stilvolles Eckgebäude mit Garage. Auf Platz drei landete der Entwurf von Christian und Sandra Zierold aus Ballenstedt.

Noch bis einschließlich Donnerstag, 29. April, sind die Wettbewerbspräsentationen nun für die Öffentlichkeit im Ratssaal zugänglich. Die Ausstellung ist geöffnet jeweils montags, mittwochs und donnerstags von 14 bis 16 Uhr sowie am Dienstag, 19. April, von 14 bis 18 Uhr. Während dieser Zeiten können sich die Besucher per Stimmzettel für ihre ganz persönlichen Gewinner entscheiden.

Ob einer der Entwürfe auch praktisch umgesetzt wird, liegt an den Grundstückseigentümern. "Die Besitzerin des Hauses in der Schulstraße würde es dazu gern in andere Hände geben", hieß es am Rande. "Es wäre aber toll, wenn beide Lücken möglichst bald verschwinden", waren sich alle einig.

 

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