Wernigerode. Im Alter fällt vieles, was früher leicht von der Hand ging, schwer. Vor allem in den eigenen vier Wänden können kleine Hindernisse plötzlich unüberwindbar erscheinen. Deshalb hat die Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG) mit Partnern nach barrierearmen, altersgerechten Wohnlösungen gesucht. "Unsere Mieter möchten so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld bleiben, ohne Service und Sicherheit missen zu müssen", erklärt Christian Linde von der WWG. Besonders in der Burgbreite leben viele Senioren. Deshalb wurde dort eine Musterwohnung eingerichtet, in der sich Interessenten jeden Donnerstag beraten lassen können.

Christian Linde führt auch Renate Schulze, die Vorsitzende der Seniorenvertretung in Wernigerode, durch die Wohnung. Er zeigt ihr anhand von Bad, Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer, wie Menschen mit Alterskrankheiten wie Osteoporose weiterhin eigenständig leben können.

Donnerstags Beratung

Die 73-Jährige schaut sich gründlich in den Zimmern um, macht Fotos und testet die eingebauten Hilfestellungen. "In der Küche gibt es einen Schrank, in den ein Öffner für Einmachgläser integriert ist. Das finde ich toll", verrät sie beim Rundgang. Neben solchen Feinheiten hat die Wohnungsgenossenschaft mit ihren Partnern außerdem die Türen verbreitert, Schwellen beseitigt, den Balkonboden erhöht und einen Hausnotruf und Türöffner installiert. "Wir wollen den Mietern zeigen, dass sie nicht unbedingt in ein Pflegeheim müssen. Es geht auch in der eigenen Wohnung", so Linde zur Motivation der Wohnungsgenossenschaft. Die Kosten für die Umbauarbeiten tragen zum Teil die Krankenkassen. "Beim Rest müssen sich die WWG und der Mieter einig werden", sagt der WWG-Vorstand. In jedem Fall sei das für den Mieter kostengünstiger als ein Neubau. Renate Schulze ist zufrieden mit der Wohnung. Immerhin ist die rüstige Dame für mehr als 10 000 Senioren in Wernigerode zuständig. Den Öffner will sie auf jeden Fall auch demnächst in ihrer eigenen Wohnung installieren.