Was für den Elberadweg und all die anderen bundesweit gilt, ist am Europa-Radweg "R 1" selbstverständlich auch nicht falsch. Überall soll es den Radlern leichter gemacht werden, Sehenswürdigkeiten am Rande ihrer Tour auf einen Blick zu erfassen. Im günstigsten Fall führen zusätzliche Ausflüge zu einer Verweildauer länger als die üblichen 24 Stunden. Der Brockenaufstieg per Rad von Ilsenburg aus ist dafür nur ein Beispiel.

Ilsenburg. "R1", ein stilisiertes Rad, eine Hexe auf einem Bike oder bloße Zahlen auf unterschiedlich farbigen quadratischen Schildchen: Das System von unterschiedlichen Radwegen, die immer nur teilweise identisch verlaufen, muss man als vorbeifahrender Radler erstmal durchschauen. Und das vor allem auf einen Blick. Andernfalls droht manche Sehenswürdigkeit einfach übersehen zu werden. Das muss vergleichsweise oft passieren. Liegt doch die durchschnittliche Verweildauer entlang des R1 durch Sachsen-Anhalt auch am Harz bei gerade einmal einem Tag.

"Zu wenig. Da gibt es Handlungsbedarf", meint nicht nur Ilsenburgs Tourismus-Chef Frank M. Glitsch. Ebenso der als "Fahrrad-Guru" geltende Halberstädter Horst Küttler – auch beruflich für den R1 verantwortlich – will daran etwas ändern. Das Ganze im Sinne steigender Übernachtungszahlen. Vor dem Hintergrund des Ilseradweges nach Osterwieck oder der Radtour durchs Ilsetal zum Brocken hält er deren Verdreifachung für durchaus realistisch und sinnvoll: "Drei Tage Ilsenburg mit zwei Übernachtungen: Das ist das Ziel, was ich erreichen will". Dass er gerade auf die Ilsestadt verweist, hat einen einfachen Grund: Üblicherweise ist das die erste Station der Biker in Sachsen-Anhalt. "Denn 98 Prozent der Radfahrer auf dem R1 nutzen den Westwind", sagt Horst Küttler.

In Sachsen-Anhalt ist der Europa-Radweg R1 vor 15 Jahren ausgeschildert worden. Quer durch Deutschland ist diese Route etwa 1000 Kilometer lang. Im Übrigen an der Spitze der "top ten" der Radwege und von daher nicht ohne Grund mit einer Millionen Euro vom Bund gefördert. Der R1 führt von Calais in Frankreich über die holländische Grenze, kreuzt irgendwann Ilsenburg und verläuft weiter bis ins polnische Küstrin an der Oder, um schließlich in Sankt Petersburg zu enden.

Die Besonderheit an Ilsenburg ist für die Radler die plötzlich mehrfache Überschneidung ganz verschiedener Radwege mit immer wieder neuen Signets. Das macht die

"Anradeln auf dem R 1 oder am Grünen Band"

Ausflüge unübersichtlich und mitunter sogar unüberschaubar. Dass der Biker sich plötzlich auf einem "ROM"-Weg befindet, der mit Italien aber nichts zu tun hat, ist da nur einer der Fallstricke. In Wahrheit handelt es sich um die "Straße der Romanik".

Neue Flyer werden momentan gerade entwickelt, mit deren Hilfe Missverständnisse gar nicht erst aufkommen sollen. Zudem soll auch die Ausschilderung noch in den nächsten Monaten verbessert werden. Unterdessen würden sich immer mehr Pensionen und Hotels im Harz auf die speziellen Bedürfnisse von Bikern einstellen. "Mit Erfolg und entsprechend wachsender Resonanz", weiß Geschäftsführer von Ilsenburgs Tourismus GmbH, Frank M. Glitsch. Im Kern gehe es darum, die Ilsestädte, wie Hornburg, Ilsenburg, Osterwieck und Drübeck rund um das Thema Romanik besser miteinander zu verbinden.

In diesem Zusammenhang verweist Ilsenburgs Tourismusexperte Glitsch auch auf die diesjährigen Termine zum Anradeln. Interessenten sollten sich den 7. und 8. Mai vormerken. Während am Sonnabend um 8 Uhr auf dem Marktplatz in Ilsenburg zur Sternfahrt auf dem R1 gestartet wird, heißt es am Sonntag "Anradeln am Grünen Band". Treffpunkt dafür ist um 10.30 Uhr am Kloster Drübeck. Weitergehende Informationen sowie den Streckenverlauf gibt es im Internet.

www.euroroute-r1.de

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