Ilsenburg (rar). Altersmäßig kann es mit der im Ilsetal wohnenden Elli Kissner niemand aufnehmen. Auch niemand in Darlingerode und Drübeck. Am Wochenende wurde sie 100. Und für dieses ungewöhnlich hohe Alter, sowie angesichts einer langen Krankengeschichte, ist die Jubilarin noch erstaunlich fit. Davon konnte sich auch Bürgermeister Denis Loeffke (CDU) beim Überbringen der Glückwünsche und Blumen am Wochenende selbst überzeugen.

"Wenn mein Mann wüsste, dass ich noch lebe"

Elli Kissner braucht weder Hilfe bei der Beantwortung der neugierigen Reporterfragen, noch beim Aufstehen für eines der Fotos für die Harzer Volksstimme.

Geboren wurde sie in Athenstedt und hatte dort auch geheiratet. Beide Eltern arbeiteten damals am Huy in der Landwirtschaft. Mittlerweile ist die Hundertjährige aber schon seit über fünf Jahrzehnten Ilsenburgerin mit Leib und Seele. Sie hatte noch eine ältere Schwester. Die beiden Brüder sind im 1. Weltkrieg gefallen. Elli Kissner war Haushälterin in einem herrschaftlichen Anwesen des Baurates am Schloss Wernigerode. Noch heute erinnert sie sich: "Ich musste immer gnädige Frau sagen und sie stets im dritten Fall anreden." 14 Jahre war sie angestellt, hielt aber den Kontakt zu der Wernigeröder Familie noch, als sie längst verheiratet war. Elli Kissner wohnte in besagtem Anwesen und bekam nur alle 14 Tage Ausgang: "Das war nicht zum Schaden", sagt sie rückblickend. Später arbeitete sie in Wernigerodes Krankenhausküche.

Mit 24 Jahren heiratete sie einen Drübecker Steinmetz. Dort lebte sie mit ihm 25 Jahre zusammen. Das war noch vor ihrem Umzug nach Ilsenburg: "Wenn er wüsste, dass ich noch lebe. Er starb bereits vor 30 Jahren." Nach dem Krieg war er fünf Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft. Die Jubilarin hatte die ganze Zeit über keine Ahnung, wo er ist und ob er überhaupt noch lebt.

Das gemeinsam in Ilsenburg gebaute Haus bewohnt sie heute noch immer: "Ab da habe ich dann nicht mehr gearbeitet. Da war ich ja auch schon alt, immerhin 59", sagt sie und meint ein Ereignis, welches auch schon wieder 41 Jahre zurückliegt.

"1970 - mit damals 59 Jahren, war ich ja auch schon alt"

Regelrecht schleierhaft ist Elli Kissner selbst, wie sie überhaupt 100 Jahre alt werden konnte. Der Versuch einer Erklärung: "Nicht getrunken, nie geraucht. Doch bescheiden waren wir immer. Nicht so wie heutzutage. Aber man war auch zufrieden." Und genau das ist auch der Eindruck, den die hochbetagte Dame bei ihren vielen Geburtstagsgästen hinterlässt. Darunter auch bei ihrem 71-jährigen Sohn.