Als die "Roten Teufel" von Wernigerode ausgerechnet an Walpurgis in der Ilsenburger Harzlandhalle den Deutschen Meistertitel gewinnen, wird für Spieler und Fans ein Märchen wahr. "Eine sagenhafte Fügung", jubelt Red-Devils-Manager Mario Vordank. "Das haben wir nur mit der Unterstützung unserer Helfer und Fans geschafft!"

Wernigerode. "Die ganze Halle war Rot und Schwarz." Manager Mario Vordank kann es immer noch nicht fassen: Die Red Devils, Wernigerodes "Rote Teufel", sind Deutsche Meister im Unihockey, auch Floorball genannt. "Mit dem Abpfiff folgte Jubel, auf die Spieler regnete es Sekt- und Champagnerduschen. Durch die Kabine flog das Konfetti."

Seit der Gründung der Red Devils vor 13 Jahren, die dem Wernigeröder Sportverein Rot-Weiß angehören, ist der Diplom-Sportwissenschaftler im Verein aktiv. Er kennt alle Helfer, jeden Fan. Besonders die vielen fleißigen Anhänger, die vor den Spielen Schnittchen schmieren, die am Einlass stehen oder Musik abspielen. "Und die Fans, die jedes Mal mit zu den Auswärtsspielen reisen, uns mit Trommeln und Rasseln anfeuern und sogar die Banden nach den Spielen abbauen. Alle haben ihren Teil zu dem Titel beigetragen."

So ein eingefleischter Fan ist John Bosse. Der 21-jährige Auszubildende war am Sonn-abend dabei, als seine Mannschaft nach einer Zitterpartie erstmals in der Vereinsgeschichte den Titel gegen den MFBC Löwen Leipzig mit 5:4 gewann. Ausstaffiert mit seinem Megafon, dem roten Schal und einer Teufelsmütze. "Ich bin wahnsinnig stolz", sagt er glücklich. "Unihockey bedeutet tolle Stimmung, Spannung und viel Emotion", schwärmt er von dem Sport, auf den er durch eine befreundete Cheerleaderin aufmerksam wurde. "Wir sind mindestens 60 Fans, die zu jedem Auswärtsspiel fahren."

"Tolle Stimmung, Spannung und viel Emotion"

Am Sonnabend waren fast alle Plätze in der Ilsenburger Harzlandhalle von Red Devils-Anhängern besetzt. "Ich schätze, dass von den 1068 Zuschauern gerade einmal 80 aus Leipzig angereist waren." Bei der Siegesparty in einem Wernigeröder Lokal durfte John Bosse nicht fehlen, als die Spieler mit ihren Fans ausgiebig den Erfolg begossen.

Auch dem 21 Jahre alten Red-Devils-Stürmer Tommy Löwenberg wird diese Nacht wohl noch lange in Erinnerung bleiben. "Bis 5 Uhr morgens haben wir mit gefeiert", verrät der Zivildienstleistende. "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, dass wir das geschafft haben." Das liegt seiner Meinung nach auch an dem großen Team-Zusammenhalt. "Und an unseren treuen Fans", sagt er mit Blick auf John Bosse.

Die Fahrten der Fans, die Trommeln, Rasseln und Banner organisiert Mario Vordank, der auch für die Jugendarbeit im Verein verantwortlich ist.

Wie wichtig diese ist, kann Tommy Löwenberg nur bestätigen. Seine Liebe zu der in Deutschland noch sehr jungen Sportart entdeckte der Spieler mit der Nummer 19 in einer Schul-AG im Alter von 13 Jahren. "Es kommt oft darauf an, ob die Sportlehrer Unihockey in den Unterricht einbinden. Ich hatte das Glück, dass in Wernigerode so gute Nachwuchsarbeit geleistet wird."

Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert konnte beim Finale in Ilsenburg zwar nicht dabei sein, übermittelte der Mannschaft aber seine Glückwünsche in einem Brief.

"Es ist ein unbeschreibliches Gefühl"

Er lobt darin vor allem "die Nachwuchsarbeit, das Können und den Kampfgeist" der Vereinsspieler. Am Mittwoch, 18. Mai, hat er die "Roten Teufel" ins Wernigeröder Rathaus zu einem Empfang eingeladen. "Ich hoffe, dass dann auf dem Marktplatz genauso viel los sein wird, wie am Sonnabend in der Harzlandhalle", sagt Mario Vordank, bevor er weiter Glückwunsch-Anrufe entgegennimmt.Übrigens