Wernigerode. Wenn die Vollsperrung in der Friedrichstraße in Wernigerode in wenigen Wochen aufgehoben wird, atmen auch die Gewerbetreibenden auf, die dort seit Mitte März vom Verkehr abgeschnitten sind. Doch von Ärger über die auferlegten Strapazen ist bei den Friseuren, Handwerkern und Gastronomen keine Spur, wie eine Umfrage der Volksstimme ergab.

So zeigt sich Gaststätteninhaber Frank Isecke positiv überrascht, wie gut ihn die Stadtverwaltung auf das Bauvorhaben vorbereitet hat. "Wir hatten drei Versammlungen für die Gewerbetreibenden. Alles, was uns dort versprochen wurde, ist eingehalten worden", lobt er das Vorgehen. Der Müll wurde stets pünktlich abgeholt. Auch Lieferwagen und Händler haben die Bauarbeiter passieren lassen. Autos durften auf dem Parkplatz der Hochschule Harz abgestellt werden. "Die Bauarbeiter sind sehr fleißig, fangen noch vor 5 Uhr morgens an, hören nicht vor 22 Uhr auf", so der Wirt, der durch die Vollsperrung einen 70-prozentigen Umsatzrückgang verbucht habe.

"Die Bauarbeiter sind sehr fleißig"

Während einige Geschäfte wie eine Bäckerei in der Zeit geschlossen blieben, Angestellte beurlaubt wurden und die meisten Geschäftsleute starke Umsatzeinbrüche registrieren, können sich die Friseure nicht beklagen. Corinna Schoppe hat eine ganz eigene Theorie. "Seitdem gebaut wird, kommen viele Kunden von früher wieder zu uns, weil sie uns bewusst über die wirtschaftlich schwierige Zeit helfen wollen." Außerdem würden wegen der Vollsperrung die Studenten die Friedrichstraße entlanglaufen, statt mit dem Bus zu fahren. "Dadurch werden einige auf uns aufmerksam und vereinbaren gleich einen Termin", freut sie sich über die neue Laufkundschaft.

Geradezu abenteuerlich ist der Weg zum Blumengeschäft von Annette Mäthlau. Vor ihrem Laden klafft ein tiefer Graben, dicht daneben schaufelt ein Bagger Geröll auf einen Lastwagen. "Den Bürgersteig haben sie kürzlich aufgerissen", sagt die Floristin, die das Geschäft am 2. April während der laufenden Bauarbeiten neu eröffnet hat. "Viele halten mich deshalb für verrückt oder mutig. Aber der Laden ist mein Leben, und ich habe hier eine gute und treue Kundschaft – trotz Bautätigkeit."

"Nachbarn müssen zusammenhalten"

Um der Blumenhändlerin ihre Unterstützung zu zeigen, haben die anliegenden Handwerker, darunter der Schlosser Manfred Eckstein, ein Grillfest veranstaltet. "Später sind noch die Bauarbeiter dazu gestoßen und haben mitgefeiert", erzählt er. "Nachbarn müssen zusammen halten. Gerade in so schweren Zeiten." Er ärgere sich einzig über Bewohner in den Umleitungsstraßen. "Es ist ein wenig kleinkariert, sich ständig über den Verkehrslärm aufzuregen, während wir hier inmitten der Baustelle unser Geld verdienen. Die Friedrichstraße muss erneuert werden, das bringt für jeden Unannehmlichkeiten mit sich."