Im Nordharz wird mit empfindlichen Ernteeinbußen gerechnet. In welchem Ausmaß, ist noch unabsehbar. Im ansonsten eher feuchten April fielen zwischen Abbenrode und Danstedt lediglich 25 bis Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. So beobachtet man derzeit auch in Schmatzfeld mit wachsender Sorge die Situation auf den staubtrockenen Feldern.

Veckenstedt/Schmatzfeld. Einsam zieht das Gespann von Manfred Donner von der Veckenstedter Agrar GmbH auch gestern seine Kreise auf dem Acker. Seit 14 Tagen sammelt er vom Rübenschlag die Steine auf. Es ist gerade Halbzeit auf den insgesamt 200 Hektar in diesem Jahr. Obwohl sich sein Süddeutsches Kaltblut jeweils nur ein paar Schritte bewegen muss, wirbeln die Pferde weithin sichtbare Staubfahnen auf. Nichts, was sich auch Donner jetzt sehnlicher wünscht, ist Regen.

Da gibt es "gleich in der Nachbarschaft" noch jemanden, der so denkt: "Irgendwie hat es alle erwischt. Den einen etwas mehr, den anderen weniger." Auf diesen Nenner bringt der Geschäftsführer der Schmatzfelder Agrargenossenschaft "Bundschuh", Winfried Burscheit, jenes Szenario, was sich ihm seit Wochen auf seinen Feldern bietet. Oft liegt der Dünger noch beinahe so da, wie er schon vor Wochen gestreut wurde. Was aber hätte ihn auflösen sollen, außer Wasser?

Aufgelöst und nervös sind stattdessen die Bauern, Burscheit inklusive. Diese extreme Trockenheit im Frühjahr 2011 scheint jeglichen Rahmen zu sprengen: im Klartext lächerliche 10 bis 15 mm Niederschlag während der letzten drei Wochen. Ein neuer, wenn auch sehr verzichtbarer Negativrekord. Schmatzfelds Kleingärtner sehen das keineswegs anders.

15 mm Regen in drei Wochen - viel zu wenig

Dass sich die Natur ein Stück weit selbst hilft, ist für den Landwirt und Ortsbürgermeister nur ein ziemlich schwacher Trost. Burscheit: "Im Vorbeifahren und aus dem Autofen-ster sieht der Raps ja ganz gut aus. Aber diese Ölfrucht bringt es ja nur dann auf gute Erträge, wenn sie auch Nebentriebe bildet. Genau diese lässt die Pflanze bei mangelnder Feuchtigkeit verkümmern. Das leuchtende Gelb täuscht also über den wahren Zustand des Rapses hinweg." Langjährigen Erfahrungen zufolge rechnet Burscheit hoch: "Egal, ob und wieviel Regen in dieser Woche noch fällt – zehn bis 15 Doppelzentner pro Hektar weniger sind so sicher wie das Amen in der Kirche." Sollte man 2011 über 40 Doppelzentner erreichen, "müsste schon ein großes Wunder passieren". so der Schmatzfelder.

Etwas optimistischer ist der Experte beim Getreide: "Da sieht es momentan noch relativ vernünftig aus." Allerdings liegt die Wuchshöhe auch erst bei der Hälfte, was auf Defizite bei der Wässerung schließen lässt. Burscheit: "Mit dem Regen ist es jetzt überall fünf vor Zwölf." Für Mittwoch und Donnerstag ist dieser zwar prognostiziert. Allerdings wäre der Brocken nicht das erste Mal jenes Hindernis, welches den im Windschatten liegenden Nordharz "trocken bleiben lässt, während es ringsherum regnet." Und: "Ein harter Brocken für die Bauern."

 

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