Die " Bergkönigin " ist wieder in Blankenburg. Am Sonnabend wurde die in Meiningen restaurierte Dampflok 95 027 zurück in den Harz gebracht, wo sie einst auf der Rübelandbahn fuhr. Jetzt soll sie ein touristischer Magnet werden. In die Freude der Harzer Eisenbahnfans mischen sich aber auch kritische Stimmen.

Blankenburg. Tausendfach klickten am Sonnabend die Kameraverschlüsse rund um den Blankenburger Bahnhof. Dutzende Eisenbahnfreunde aus dem Harz, aber auch aus Thüringen, Salzwedel und Staßfurt wollten jenen historischen Moment einfangen, auf den sie seit Monaten sehnsüchtig gewartet haben : die Einfahrt der Dampflok 95 027. Die preußische

Tenderlok – eine T 20, Baujahr 1923 – war im Dampflokwerk Meiningen restauriert worden. Für Lokführer Michael Klatt ein ganz besonderer Moment : " Jede Fahrt mit einer Dampflok is einzigartig, gerade mit solch einer alten preußischen ", meinte er nach der Einfahrt in den Blankenburger Bahnhof. Sebastian Pense, Chef der " Traditionsgemeinschaft 50 37 08 " aus Halberstadt, durfte das Dampfross schließlich in den Lokschuppen fahren.

Damit kehrte sie nun dorthin zurück, wo sie von 1950 bis 1969 stationiert war : auf der eisenbahngeschichtlich bedeutenden Strecke der Rübelandbahn. Dort soll sie in Zukunft wieder fahren. Allerdings nicht mit Waggons voller Kalkstein, sondern mit Touristen. So stellt sich jedenfalls Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre die Zukunft dieser nostalgischen Lok vor. Immerhin stellte das Land für deren Hauptuntersuchung offiziell 350 000 Euro bereit.

Eine Initiative, die vor allem die Eisenbahnfreunde zwischen Blankenburg und Elbingerode jubeln ließ. Denn sie feiern in diesem Jahr das Jubiläum " 125 Jahre Rübelandbahn ". Den Auftakt dazu soll es an Pfingsten beim 11. Historischen Eisenbahnwochenende in Blankenburg geben. Höhepunkt sollten dabei erste touristische Fahrten mit der " Bergkönigin " sein. Doch daraus wird nichts, wie jetzt die Organisatoren mitteilten. Es stehen noch Personalschulungs- und Probefahrten aus.

Insider kritisieren aber nicht nur die Verzögerung bei der Inbetriebnahme. " Dass von der Landesregierung soviel Geld für diese Lok ausgegeben wurde, ist ein Schlag vor den Kopf aller aktiven Eisenbahnfreunde ", schimpfte am Sonnabend Dirk Endisch von den Dampflokfreunden Salzwedel. Auch Martin Ristau von den " Eisenbahnfreunden Traditionsbetriebswerk Staßfurt " kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Mit solch einem Fördergeld hätten alle Eisenbahnvereine Sachsen-Anhalts mehrere Jahre ein gutes Auskommen gehabt, sind beide sicher. Sie kritisierten, dass die Lok nach wie vor im Besitz der Deutschen Bahn AG sei. " Das hat schon zweimal nicht funktioniert. Aber es muss trotzdem ein drittes Mal öffentliches Geld für eine Lok der Bahn AG ausgegeben werden ", so die Eisenbahnfreunde.

Im Gegensatz dazu hätten die Salwedeler die Hauptuntersuchung ihrer Lok 50 35 70 aus eigener Tasche finanzieren müssen. " Wir haben nur Leistungen abgegeben, die wir wirklich zukaufen mussten. Und das waren allein mehrere 10 000 Euro ", so Endisch. Für ihn sei deshalb auch der Kostenvorschlag für den teilweisen Umbau der 95 027 nicht nachvollziehbar : " So etwas ist für 350 000 Euro nicht zu haben. "