Bei der Dachreparatur im Sparkassen-Flügel des Wernigeröder Rathauses ist Hauschwamm entdeckt worden. Um das Weiterwachsen des aggressiven Schädlings zu verhindern, wird derzeit der Dachstuhl des Anbaus saniert.

Wernigerode. Der Bohrer drückt sich ins Mauerwerk. Putz bröckelt von der Wand, ein Dröhnen hallt durch das Gebäude. Die Mitarbeiter im Rathaus sind derzeit um ihren Arbeitsplatz nicht zu beneiden. Seit Monaten wird das Dach des ehemaligen Sparkassenflügels saniert. Nun wurde Hausschwamm im Dachstuhl des Anbaus entdeckt – auf einer Fläche von zirka 10 m2 direkt über dem Treppenhaus.

Keine wirkliche Überraschung für Baudezernent Burkhard Rudo. "Wir hatten hier im Anbau schon mehrfach Wasserschäden, weil das Dach undicht ist." Zwischen 1936 und 1940 sei der Gebäudetrakt links neben dem Haupthaus errichtet worden. Wegen des Zweiten Weltkriegs hatte damals Materialknappheit geherrscht, so dass die Handwerker Eisennägel benutzten, um den Schiefer auf dem Dach zu befestigen. Diese begannen mit der Zeit zu rosten und verursachten Risse und Löcher, durch die Regen ungehindert in den Dachstuhl dringen konnte. "Und wenn Wasser und Holz bei einem bestimmten Klima zusammenkommen, wird es gefährlich."

"Hausschwamm ist wie eine tickende Zeitbombe", sagt Burkhard Rudo, "ist er doch der gefährlichste Bauzerstörer." Er fresse sich in die Holzbestandteile. Seine Mycelstränge durchdringen sogar Steinmauern auf der Suche nach weiterem Holz. Bei starkem Befall könne der aggressive Pilz ganze Holzkonstruktionen zerstören und einen Einsturz bewirken. "Deshalb muss, wenn Schwamm gefunden wird, sofort gehandelt werden", so Rudo.

Und das wird im Rathaus derzeit getan. Das Treppenhaus, das u. a. zum Büro des Oberbürgermeisters und zum Kleinen Sitzungssaal führt, ist gesperrt. Die beschädigten Dachbalken wurden bereits gekürzt, informiert Ingo Wolf, der verantwortliche Bauleiter der Stadtverwaltung. "Und zwar einen Meter über den befallenen Bereich hinaus – zur Sicherheit." Außerdem wurden der Putz vom Mauerwerk geschlagen und die Poren der Steine mit einer Sperrflüssigkeit verpresst. "Damit der Pilz nicht weiter wachsen kann", so Wolf. Die Arbeiten laufen parallel zur Dachsanierung und sollen in wenigen Wochen beendet sein. "Falls wir nicht noch mehr Schwamm finden", schränkt der Bauleiter ein. "Das kann niemand voraussagen."

Was die Kosten für die Reparaturen im Dachstuhl betrifft, hatte die Verwaltung bisher übrigens Glück im Unglück. "Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir für die Dachsanierung Geld aus dem Konjunkturpaket II erhalten haben", so Burkhard Rudo. In der dafür veranschlagten Summe von 670 000 Euro seien mögliche Wasserschäden schon mit einkalkuliert worden. "Wir haben vorausschauend geplant." Zudem sei die Sanierung des Rathausdaches preiswerter als bisher gedacht, informierte der Wernigeröder Baudezernent. "So dass wir mit dem restlichen Geld die alten undichten Fenster durch neue ersetzen können, um den energetischen Zustand des Gebäudes zu verbessern."