In der Serie "Neue Fassaden - Alte Geschichten" stellt die Harzer Volksstimme die Historie interessanter Häuser in Wernigerode vor. Mit diesem Thema haben sich auch Heimatforscher wie Dr. Uwe Lagatz und Mitarbeiter der Oskar Kämmer Schule, unterstützt von der Kommunalen Beschäftigungsagentur, befasst. Ihre Erforschung der Stadtgeschichte fließt in die Beschreibungen mit ein. Der historische Rundgang wird auf der Breiten Straße fortgesetzt.

Wernigerode. Das Haus Breite Straße 16 ist heute ein reines Geschäftshaus. Es gehört zu jenen Gebäuden, die nach dem verheerenden Stadtbrand von 1751 errichtet wurden. Ursprünglich befand sich dort ein großes Fachwerkhaus mit Hintergebäuden, deren Reste nach dem Brand abgerissen wurden. So erhielt der Kohlmarkt seine jetzige Breite.

Vorher gab es dort nur einen engen Durchgang zwischen Breiter Straße und der Unterengengasse. Die angrenzende Häuserfront, die in Richtung Kohlmarkt erst an der Ecke zur Unterengengasse endet, gehört mit zum Grundstück Breite Straße 16. In dem jetzigen Modegeschäft und der benachbarten Gaststätte befanden sich einst Wirtschaftsgebäude.

Auf dem Grundstück Breite Straße 16/Ecke Kohlmarkt hat sich 1893 das "Café National" befunden, als dessen Inhaber ein Mann namens Marwitz genannt wird. Bereits um 1900 etablierte sich dann dort eine Privatbank. Seitdem ist das Haus stets als Kreditinstitut genutzt worden. Ein Beleg dafür ist, dass im Jahr 1902 ein riesiger Tresor eingebaut wurde, der mit Entlüftung ausgestattet, auch als Luftschutzraum für 70 Menschen diente. "Beim Tag der offenen Tür im Jahr 2001, "führten wir auch Interessierte in diesen Tresor", erzählt Henriette Berner, die seit dem 1. Dezember 1969 in dem Gebäude arbeitet und Filialleiterin der Deutschen Bank ist.

Früher gehörte das Gebäude auch einmal der Commerzbank, die das Grundstück mit der Wiedervereinigung übernehmen wollte. Aber die DDR-Staatsbank, die um 1967/68 als Notenbank in das Haus eingezogen war, gründete dort mit der Deutschen Bank und Deutschen Kreditbank ein Gemeinschaftsunternehmen. Ein hiesiger Steuerberater erwarb kurzzeitig das "Volkseigentum", bekam danach jedoch wirtschaftliche Probleme. Bis ein Investor aus Herne das Grundstück auf einer Versteigerung in München erwarb und es an die jetzige Bank vermietete, wurde das Objekt zwangsverwaltet. In den Jahren um 2000 erfolgten mehrere Umbauten.

Die massive Gestaltung mit Granitsteinen und Mauerwerk, die schon mit dem Bau nach 1751 gewählt wurde, ist erhalten. Sie wurde damals bei vielen repräsentativen Bauwerken verwendet, neben Banken auch bei Apotheken. Typisch für die Breite Straße 16 ist ebenso die gebrochene (etwas abgeschrägte) Gebäudeecke mit der Eingangtür. Und auffallend sind die großen Fenster, wie sie schon in den Gründerjahren beliebt waren.

Im zweiten und dritten Geschoss kann man sich am Fachwerk erfreuen. Dort wurde bei der Fenstergestaltung die historische Bauweise berücksichtigt. Darüber befindet sich ein Krüppelwalmdach.