Wernigerode. Die Stadtverwaltung will den Betrieb des Jugendgästehauses in der Friedrichstraße sowie des Karlshauses zum 31. Oktober einstellen. Grund dafür sind Einsparungen, um die Haushaltskasse des Wernigeröder Rathauses zu entlasten.

In der jüngsten Stadtratssitzung wurde die entsprechende Vorlage zur Beratung in den Kultur- und Sozialausschuss verwiesen. Als erstes beschäftigte sich am Montag das Kultur-Gremium mit dem Thema.

"Auch wenn die Stadt sich von den beiden Einrichtungen trennt, sollte nicht vergessen werden, dass hier über Jahre gute Arbeit geleistet wurde", meldete sich Ausschusschefin Angela Gorr (CDU) zu Wort. Ob das Personal der beiden Häuser über die Überlegungen der Verwaltung informiert wurde, wollte sie von Sozialdezernent Andreas Heinrich wissen. "Wir haben die Mitarbeiter von Anfang an mit einbezogen", so Heinrich. "Natürlich waren sie nicht begeistert." Dies sei auch keine Entscheidung gegen das Ehepaar Wilmans, das das Jugendgästehaus in der Friedrichstraße betreibt. "Wie die Kollegen zukünftig in der Verwaltung eingesetzt werden, darüber gibt es noch keine Klarheit."

Fest steht, so Heinrich bereits in der Stadtratssitzung: Nach dem 31. Oktober sollen beide Häuser nicht mehr von Mitarbeitern der Stadt betreut werden. Für die Friedrichstraße 53 wird ein Käufer gesucht, für das Karlshaus ein neuer Betreiber.

Im Kulturausschuss bedauerte die SPD-Fraktion diese Entwicklung, so Rainer Schulze, der das Thema auf eine "alte Wunde" lenkte – das Schanzenhaus. "Wir hatten damals vorgesehen, das Jugendgästehaus im Schanzenhaus weiterzubetreiben." Als Betreiber bot sich die Schierker Baude (Sportjugend) an. Doch die Mehrheit des Rates sei gegen den Kauf gewesen (wir berichteten). "Es ist schade, dass das Gästehaus nun ersatzlos abgeschafft wird", so der SPD-Politiker.

"Unverschämt", entfuhr es Dieter Kabelitz (Linke), "diese Geschichte nochmals auf die Tagesordnung zu bringen". Damals sei es darum gegangen, die Stadt nicht noch weiter in die Finanzmisere zu bringen. Und zu Schulze: "Ihre Krokodilstränen können Sie sich jetzt sparen." Das Konzept für das Schanzenhaus hätte keine finanzielle Belastung für die Stadt bedeutet, entgegnete Schulze. "Ich denke nach wie vor, den Kauf des Schanzenhauses abzulehnen, war keine kluge Entscheidung."

Man sollte nicht über Geschichten von vorgestern debattieren, warf Heinrich Hamel (SPD) ein. "Fakt ist, von unserer Fraktion haben Sie nie gehört: Verkauft das Jugendgästehaus! Von uns kam ein Konzept zu dessen Weiterbetreibung." Angela Gorr wollte sich nicht "all dem von der SPD Geäußerten" anschließen. "Ich würde es begrüßen, wenn es einen Käufer gibt, der es weiter betreiben möchte."

Bei der Abstimmung votierten sieben Mitglieder dafür, dem Stadtrat die Schließung des Karlshauses und Jugendgästehauses zu empfehlen. Nur Rainer Schulze enthielt sich. In der Stadtratssitzung hatte es seine Fraktion aber eiliger.

Siegfried Siegel schlug vor, über das Herberge-Papier gleich abzustimmen. So seien die Chancen, rechtzeitig neue Käufer bzw. Betreiber zu finden, größer. Der Stadtrat lehnte ab, votierte für die Beratungen in den Ausschüssen.

Zu viele Fragen seien noch offen", hieß es. Christian Härtel (Linke) mahnte: Es wäre sträflich, "im Schweinsgalopp" zu entscheiden. Vor allem über das ehrwürdige Karlshaus.

Dessen Grund und Boden gehört Philipp Konstantin Fürst zu Stolberg-Wernigerode.