Es werden vor allem finanzielle Gründe vorgebracht, um das Aus für ein HSB-Projekt zu begründen. Die Verlängerung der Harzer Schmalspurbahnen ( HSB ) von Elend nach Braunlage könnte bis zu 33 Millionen Euro kosten, für täglich rund 100 Fahrgäste. Das macht unterm Strich ein Jahresdefizit von einer Million Euro – zu viel, erklären zwei Minister.

Wernigerode. Die HSB bleibt eine Zwei-Länder-Bahn, die allein in Sachsen-Anhalt und Thüringen fährt. Aus dem Abstecher ins niedersächsische Braunlage wird ( vorerst ?) nichts. Das Projekt ist zwar nach wie vor reizvoll, aber nicht zu finanzieren, heißt es. Offiziell erklärten die Verkehrsminister Jörg Bode ( FDP / Niedersachsen ) und Karl-Heinz Daehre ( CDU / Sachsen-Anhalt ) : " Wegen der zu erwartenden Defizite und des geringen touristischen Effekts wird die Streckenverlängerung als derzeit nicht realisierbar angesehen und daher zunächst nicht weiter verfolgt. "

Zwei Harzer Landräte haben darauf unterschiedlich reagiert : Als HSB-Aufsichtsratschef ließ Michael Ermrich ( CDU ) ausrichten, er stünde diesem Projekt " weiter aufgeschlossen gegenüber ". Der Bahn-Aufsichtsrat wolle sich mit der Streckenverlängerung in seiner nächsten Sitzung befassen und mit den Landesregierungen weiter nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Dass Bode und Daehre die Braunlage-Verlängerung gestoppt haben, dafür zeigte Ermrich Verständnis.

Anders sein Goslarer Kollegen Stephan Manke ( SPD ), der auch als Vorsitzender des Harzer Tourismusverbandes die Absage aus finanziellen Gründen als " nicht nachvollziehbar " kritisiert hat. Sowohl diese Entscheidung als auch das Verfahren hat Manke in einem Schreiben an den Hannoveraner Minister Bode kritisiert. Die Goslarer Kreisverwaltung habe trotz mehrfacher Nachfragen das Gutachten nicht zur Verfügung gestellt bekommen. Das sei erst für Mai angekündigt worden. Daraufhin habe Manke bereits Termine verabredet, um das weitere Vorgehen abstimmen zu können.

Doppelte Kritik an Geheimniskrämerei

Kritik an dieser Geheimnistuerei wurde auch im Landtag von Sachsen-Anhalt laut. Der Ilsenburger Politiker André Lüderitz ( Linke ) forderte, dass die Studie auch dem Verkehrsausschuss des Parlaments vorliegen müsse. In der Debatte sicherte ihm Minister Daehre zu, das werde dann geschehen, wenn die HSB als Auftraggeberin der Studie dazu ihr Einverständnis gegeben habe.

Nur : Aus Unterlagen des Magdeburger Ministeriums geht hervor, dass nicht die HSB, sondern beide Verkehrsministerien " am 23. April 2009 ein gemeinsam finanziertes Gutachten beauftragt " haben.

Was steht denn nun in dieser von der Bahn-Tochter DB International aus Erfurt vorgelegten Studie ? Der Gutachter habe drei Trassenverläufe untersucht : Je eine südlich und nördlich, dabei jedoch parallel zur Bundesstraße 27, und eine sogenannte Waldtrasse. Die einstige bis zur Harzteilung als Folge des Zweiten Weltkrieges genutzte Bahnstrecke der Südharzer Eisenbahn, die bei Sorge einen HSB-Anschluss hatte, wurde nicht untersucht, da diese in Braunlage inzwischen bebaut worden ist.

Die kostengünstigste West-Verlängerung der Harzer Schmalspurbahnen verläuft entlang der Bundesstraße. Das allerdings habe zwei Nachteile zur Folge : Wegen des sogenannten Parallelverkehrs von Schiene und Straße sei diese Variante " nicht ausreichend touristisch attraktiv ". Und zudem birge sie ein Risiko : " Durch schaulustige Autofahrer beim Herannahen eines Zuge besteht ein erhöhtes Unfallrisiko ( Auffahrunfälle )", heißt es im Ministerium. Wie Karl-Heinz Daehre jüngst im Landtag erklärte, habe der Gutachter deswegen auch eine Waldtrasse vorgeschlagen. Weil dafür jedoch eine Bahnbrücke gebaut werden müsse, sei diese Variante deutlich kostenintensiver. Hinzu komme der Bau eines HSB-Bahnhofes in Braunlage, der sich entweder zentrumsnah, am Ortsrand ( nahe der Tennisplätze an der Bundesstraße 27 ) oder auch an der Talstation der Wurmberg-Seilbahn befinden könnte.

Alles in allem, so die erste Schätzung in der Studie, würde die Streckenverlängerung von Elend nach Braunlage zwischen 12, 3 Millionen Euro und 32, 6 Millionen Euro kosten. Zusätzlich kämen die jährlich notwendigen Defizitausgleiche. Im Falle der Waldtrasse und eines Bahnhofs im Braunlager Stadtzentrum fielen Betriebskosten von 1, 4 Millionen Euro an – dem stünden lediglich prognostizierte Einnahmen von 0, 46 Millionen Euro gegenüber.

Auch die Zukunft der Seilbahn ist ungewiss

Wie geht es nun weiter ? Angesichts aktueller Finanzprobleme, die die " Euro-Zone " erschüttern, verfügen die Ministerien in Magdeburg und Hannover wohl kaum über ausreichend Spielraum, die Braunlage-Verlängerung in den kommenden Jahren doch aufs Gleis heben zu können.

Wohl deshalb hat Karl-Heinz Daehre jüngst im Landtag auch eine Art Pendelbus-Verkehr zwischen Elend und Braunlage vorgeschlagen. Unklar ist zudem, was aus der vor allem im Osten geforderten Paketlösung wird. Dabei war stets davon die Rede, HSB-Verlängerung und der Neubau einer Seilbahn von Schierke zum Wurmberg gehörten touristisch zusammen. Dagegen regte sich zuletzt Widerstand selbst von Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff ( CDU ), der ein solches Paket als " nicht zeitgemäß " abgelehnt hatte.