Wernigerode. Im Landeshauptarchiv in der Orangerie des Wernigeröder Lustgartens werden schriftliche Dokumente aus über 1000 Jahren deutscher Geschichte verwaltet. Dazu zählen auch Unterlagen über Hexenprozesse im Harz. Als in der Walpurgisnacht in zahlreichen Orten wieder die Hexenfeuer loderten, ging völlig unter, wie viele Frauen und Männer im Harz unschuldig als Hexen und Zauberer den Feuertod sterben mussten.

In Wernigerode wurde im September 1609 die letzte als Hexe angeklagte Frau öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Hexenverfolgung fand damit hier jedoch noch nicht ihr Ende. Das letzte Opfer war eine Frau Hintze, der man Hexerei vorwarf. Sie starb im Januar 1638 im ungeheizten Gefängnis auf Schloss Wernigerode, nachdem sie mindestens einen Tag lang nichts zu essen und zu trinken erhalten hatte. Dem Wachposten hatte sie zuvor noch gesagt, dass sie unschuldig sei, die Leute würden nur viel erzählen. Der letzte Scheiterhaufen, auf dem ein Mensch öffentlich in Wernigerode verbrannt wurde, loderte im Jahre 1735. Auf ihm wurde Heinrich Hauenschild als Brandstifter des Königlichen Forsthauses am Mönchstieg verbrannt, nachdem der Scharfrichter ihm zuvor den Kopf abgeschlagen hatte.

Zu Beginn des Jahres jährte sich zum 470. Mal, dass erstmals von einer Fahrt in der Walpurgisnacht auf den Brocken die Rede war. Nicht in Wernigerode, sondern in der benachbarten Stadt Elbingerode war Grethe Wroystes mit weiteren Frauen wegen des Vorwurfs der Zauberei in Haft geraten. Es haben sich gleich drei unterschiedliche Ausfertigungen des Protokolls ihres Verhörs vom Sonnabend nach Ephi (= 10. Januar) 1540 im Landeshauptarchiv erhalten. Darin heißt es: Grethe Wroystes "sagt, daß die Mastische und Andres Krusen Weyb die rechten Zeubereschen [seien]. Die pflegen in Walpurgennacht auf den Brocken zu fharen, setzen Sebe auf die Kopfe und haben holtzern Buchsen in den Henden und brengen solchs durch Teufelsch Gespenst zu wegen." Sie selbst sei auch einmal mit der Frau von Steffen Fricke hinauf auf den Brocken gefahren, wo sie sich mit den anderen – insgesamt fünf – getroffen hätte.

Durch diese Aussage, festgehalten in einem Gerichtsprotokoll, ist im deutschen Sprachraum erstmals der Aberglaube vom Treffpunkt der Hexen auf dem Brocken in der Nacht zum 1. Mai schriftlich dokumentiert, der später u.a. durch Goethes Faust überregionale Verbreitung fand.

Dem gräflichen Archivar und Bibliothekar Eduard Jacobs ist zu verdanken, dass dieser Hinweis auf den ersten Hexenflug zum Brocken 1873 in der Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde publiziert wurde. Jacobs hatte ihn in einer Akte des "Gräflich Stolberg’schen gemeinschaftlichen Archiv zu Stolberg am Harz" gefunden, die heute im Landeshauptarchiv in Wernigerode verwaltet wird.

Zum kommenden Tag des offenen Denkmals am 12. September wird sie erstmals einer größeren Öffentlichkeit präsentiert werden.