Am Klint beginnt mit dem 11. Mai die Zukunft. Wernigerodes Stadtbibliothek wird ab Dienstag technisch auf den neuesten Stand gebracht. Bis etwa Mitte Juni werden deshalb keine Ausleihen möglich sein.

Wernigerode. Normalerweise weckt die Weisung Urlaubssperre bei den Betroffenen nur höchst selten Begeisterung.

In der Stadtbibliothek ist das Gegenteil der Fall. "Bald zwei Jahre haben die Vorbereitungen gedauert. Jetzt geht es endlich los", zeigt sich Klaus Grünberg erleichtert. Zwei wesentliche Veränderungen stehen ab Dienstag, 11. Mai, in der Einrichtung an, erläutert deren Leiter. Zum einen wird eine neue Bibliotheks-Software eingeführt. Fast parallel geschieht dies auch in Ilsenburg, Halberstadt und Quedlinburg. Dadurch kann ein gemeinsamer Recherchekatalog eingerichtet werden. Grünberg: "Dann hat jeder Leser die Möglichkeit zu schauen, wo das von ihm gewünschte Buch verfügbar ist." Der Schlüssel zum Haus am Klint ist deshalb künftig eine Chipcard als elektronischer Ausweis. Ohne sie geht nichts mehr. Der Büchereichef: "Unser altes System mit Klappkarten und Stempeln können wir ins Museum schaffen."

Das zweite Novum ist die Einführung einer Verbuchungstechnologie in Verbindung mit einem neuen System zur Mediensicherung. Dahinter verbirgt sich ein Transponder. Dieser Chip mit integrierter Antenne kann Daten speichern und senden. Klaus Grünberg: "Die Bücher werden automatisch registriert." Ein Vorteil ist, dass sich Irrläufer leichter wiederfinden lassen. Ebenfalls positiv: "Das gibt uns mehr Freiraum für Beratungen." Zu dem Paket gehören sogenannte Sicherheitsguides, die im Eingangsbereich aufgestellt werden. Der Bibliothekar betont: "Das ist kein Misstrauen gegenüber unserer Leserschaft."

Gut 60 000 Einheiten auf einer Fläche von knapp 300 Quadratmetern umfasst der Bestand der Stadtbibliothek. Um sie alle zu erfassen, ist die Schließung bis Mitte Juni notwendig. Dank der Hilfe durch Kommunale Beschäftigungsagentur und Akademie Überlingen gibt es personelle Verstärkung. Gearbeitet wird in zwei Schichten.

Für die rund 3500 Nutzer der Stadtbibliothek besteht am Montag, 10. Mai, die vorerst letzte Gelegenheit, sich mit genügend Musik, Filmen, Zeitschriften und Büchern einzudecken. Wenn die Räume wiedereröffnet werden können, so Klaus Grünberg, "sind wir in diesem Jahrtausend angekommen". Denn: "Wir sehen uns nicht als Hobbykiste. Die alte Kulturtechnik Lesen ist schon wichtig."