Die Schlossfestspiele werden vom 24. Juli bis 28. August wieder zahlreiche Klassikfans auf das Wernigeröder Wahrzeichen locken. Orchesterchef Christian Fitzner und Opernregisseur Christian Georg Fuchs stellten beim traditionellen Sponsorenstammtisch das Programm vor.

Wernigerode. "Langweilig wird es uns nicht", sagt Christian Fitzner, stecken er und das Philharmonische Kammerorchester zurzeit doch mitten in den Vorbereitungen der Wernigeröder Schlossfestspiele. Und damit es auch den Besuchern garantiert nicht langweilig wird, hat das Ensemble dafür wieder ein abwechslungs- reiches Programm zusam- mengestellt, das Fitzner beim traditionellen Sponsoren- stammtisch vorstellte.

Im Mittelpunkt des Musikspektakels im Juli und August steht die Schlossoper. "Wir haben uns diesmal für den ¿Wildschütz‘ von Albert Lortzing entschieden", so der Orchesterchef. Auch Verdis "Rigoletto" war in der engeren Auswahl, wurde dann jedoch aus "opernchor-technischen Gründen geopfert", so Fitzner. "Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben." Die Wernigeröder Singakademie mit ihrem neuen Leiter José Lopez Vergara sei auf den "Wildschütz" schon bestens vorbereitet. "Vor uns liegt ein großer Stoff. Was allerdings die Umsetzung der Oper betrifft, bin ich genauso ahnungslos wie Sie."

Deshalb war Regisseur Christian Georg Fuchs extra mit dem Zug angereist, um das "Geheimnis" um seine Inszenierung zu lüften. Fuchs dürfte den Wernigeröder Opernfreunden kein Unbekannter sein, war er doch schon im vergangenen Jahr bei der Schlossoper "Così fan tutte" federführend. "¿Der Wildschütz‘ gilt als Klassiker der deutschen Spieloper – eine komische Oper, aber noch keine Operette – und stellt sehr hohe Anforderungen an die Sänger." Die Geschichte ist schnell umrissen: Es geht um einen verliebten Schulmeister, der einen Rehbock im Revier des Grafen geschossen hat – drei Paare, Verkleidungen und Verwechslungen und einen Bock, der sich am Ende als Esel entpuppt. "Eine sehr erotische Geschichte", so Fuchs, der das Schloss diesmal noch stärker in die Handlung einbeziehen möchte – sehr zur Freude von Schlosschef Christian Juranek. "Genaugenommen gibt es das Schloss zweimal. Einmal den Schlossinnenhof und dann unsere Bühnenkulisse, die das alte Gemäuer noch einmal zweidimensional, in schwarz-weiß und klein zeigt." Auch die Kostüme greifen das Zweidimensionale auf. "Man muss sich das wie bei einer Ausschneidepuppe vorstellen", erklärt der Regisseur. "Die Kleider sind aus Pappe oder Papier und werden von den Sängern einfach umgehangen." So werde der Verkleidungsgedanke zugleich spielerisch und künstlerisch umgesetzt.

Warum die Gräfin ein "Starwars"-Fan ist und ob tatsächlich ein echter Esel im Schlosshof zum Einsatz kommt, das erleben die Zuschauer ab dem 6. August, wenn das Stück in Wernigerode Premiere feiert.

Traditionell eröffnet werden die Schlossfestspiele am 24. Juli mit der "First Night". Auch dazu erwartet die Klassikfreunde diesmal etwas ganz Besonderes. "Parallel zu den Festspielen läuft noch ein anderes neues Projekt an", informiert Christian Fitzner. Anlässlich des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung stellt Fitzner derzeit das "Orchester Deutsche Einheit" für einen Festakt und eine Tournee zusammen, mit Musikern aus den Landesjugendorchestern Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und Stamm-Musikern des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode. Zur "First Night" soll das Großensemble seinen ersten Auftritt haben. "70 Musiker – eine ziemlich interessante Geschichte." Das exakte Programm steht noch nicht fest. Die "Egmont"-Ouvertüre, vielleicht Variationen über Figaros Hochzeit, die Ouvertüre der Meistersinger, als Provokation Liszts "Les Preludes", das in Nazideutschland traurige Popularität erlangte und im Kontrast dazu die Filmmusik von "Schindlers Liste". Richtig festlegen will sich Fitzner noch nicht.

"Was Verrücktes, eigentlich Wahnsinniges" ist für das Kinderprojekt geplant. "¿Till Eulenspiegel‘ mit dem ¿Orchester Deutsche Einheit‘ – ein reizvolles Thema für Kinder und instrumental vielfältig." Auch ein Wandelkonzert wird es in diesem Jahr geben – im Schloss inszeniert mit verschiedenen Gruppen des Kammerorchesters. Das Abschlusskonzert, die "Last Night", wird wieder sehr bunt, verspricht der Orchesterschef. "Wahrscheinlich Weber, Rossini, Strauss, Liszt – und zum Schluss den Elgar wie üblich."

Ende Mai, so informiert der Orchesterchef, erscheint im Übrigen das Programmheft zu den Schlossfestspielen mit allen wichtigen Details.

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