Immer wieder verlassen junge Menschen ihre Heimat um in der Ferne Berufserfahrung zu sammeln. Der 25-jährige Wernigeröder René Lux ist einer von ihnen. Nachdem der Koch bei den großen Meistern gelernt hat, ist er in die bunte Stadt am Harz zurückgekehrt.

Wernigerode " Ein Koch ist nicht nur ein Koch ", sagt René Lux und lehnt sich im Sessel zurück. " Beim Kochen vermischen sich Physik, Chemie, Biologie. Man muss alles miteinander kombinieren und sehr genau arbeiten. " Er hält kurz inne. " Wenn man ein guter Koch werden will, muss man viele Bücher lesen. " Er schweigt einen Moment. " Ich rede von Kochbüchern. "

" Ein guter Koch muss viel lesen – Kochbücher "

Seit September vergangenen Jahres arbeitet der 25-Jährige als 2. Vize-Küchenchef im Hotel " Gothisches Haus " in Wernigerode. In Fachkreisen nennt man seine Berufsbezeichnung Chef-Tournant und Chef-Pâtissier. Das bedeutet, er ist verantwortlich für alle Abläufe in der Küche, bereitet die Desserts zu und kümmert sich um die " Bohlenstube ", das Gourmetrestaurant des Hauses.

Seine Ausbildung absolvierte er im Hotel " Harzkrone " in Wernigerode, anschließend arbeitete er im Landhaus " Zu den Rothen Forellen " in Ilsenburg. Es folgten ein kurzer Zwischenstopp im Robinson Club auf Fuerteventura und Lehrjahre bei der Marine – als Koch auf der " Gorch Fock ". Danach ging es für den ehemaligen " Burgbreite " -Schüler in die Drei-Sternerestaurants " Bareiss " im Schwarzwald und " Amador " in Langen bei Frankfurt.

Im " Bareiss " haben sich er und sein Team einen dritten Stern erkocht, im " Amador ", habe ihn vor allem der Besitzer, Juan Amador, fasziniert. " Wie dieser Mann das Essen angefasst hat. Das war pure Liebe. " Ihm sei jedesmal das Herz aufgegangen.

Trotz 16-Stunden-Tagen und viel Stress sei die Arbeit einfach wunderschön gewesen. " Die Küchen waren eher Schläuche als Räume. Sie können sich das gar nicht vorstellen ", ruft er dann plötzlich, springt auf und versucht wild gestikulierend und mit verschiedenen Rollen, in die er allesamt selber schlüpft, darzustellen, wie wenig Platz Köche und Kellner hatten und wie sie es trotzdem immer schafften, sogar 35-Gänge-Menüs anzurichten.

" Junge Dame – positive Zerschlagung meiner Pläne "

Nachdem er seine Tätigkeit im " Amador " freiwillig beendet, trifft er in Wernigerode " eine junge Dame ", die bald seine feste Freundin wird. Aus seinen Plänen, in die Schweiz zu gehen, wird nun nichts mehr, stattdessen nimmt er eine Stelle im " Gothischen Haus " an. " Eine positive Zerschlagung meiner beruflichen Pläne ", nennt er das Ganze und lacht dabei.

Doch noch etwas anderes hält ihn in der Stadt, in der er aufgewachsen ist. " Ich möchte dazu beitragen, dass Wernigerode noch mehr ein Anziehungspunkt wird. Es hat viel mehr zu bieten, als nur eine kleine bunte Fachwerkstadt zu sein ", sagt der junge Mann, der sich in seiner Freizeit am liebsten mit Geschichte und Sport beschäftigt. " Die Menschen sollen auch wegen der Speisen gerne herkommen und erleben, dass wir Ostdeutschen genauso gut kochen können wie die Experten in anderen Teilen Deutschlands. "

" Wernigerode soll noch mehr Anziehungspunkt sein "

Ob er in all den Jahren mal Zweifel hatte ? " Es war nicht immer leicht ", sagt er nachdenklich. Am Anfang der Ausbildung sei er ins kalte Wasser geworfen worden und habe Schwimmen lernen müssen. " Manchmal, wenn ich nicht mehr konnte, war ich kurz davor, alles hinzuschmeißen. " Im gleichen Atemzug sagt er : " Aber ich habe nie aufgegeben. " Das möchte René Lux, der sein sympathisches jungenhaftes Gesicht bewusst hinter einem Bart versteckt, auch beibehalten. Übrigens Bart : " Wenn ich den nicht hätte, sähe ich aus wie 12. "