Die CDU und die Wählergruppierungen in den Ortsteilen sind die Gewinner der ersten Stadtratswahl nach der Gebietsreform. Vor allem die etablierten Parteien litten unter der geringen Wahlbeteiligung von nur 30 Prozent.

Blankenburg. Etwas geknickt war am Sonntagabend Ulf Voigt vom Bürgeraktiv Wienrode. Auch wenn seine Gruppe im kleinen Blankenburger Ortsteil satte 88 Prozent abräumte, fühlte er sich zunächst nicht wie ein Wahlsieger. " Ich bin von der Wahlbeteiligung enttäuscht. Ich hatte wenigstens mit 50 Prozent gerechnet ", so Voigt, der gestern dann aber doch zufrieden war. Er wird laut vorläufigem amtlichen Endergebnis – der Wahlausschuss tagte erst am gestrigen Abend – zusammen mit Maik Bormann in den neuen Stadtrat einziehen. Gut schnitten auch die Wählerinitiativen in Derenburg ( 4 Sitze ), Cattenstedt ( 1 Sitz ), Timmenrode ( 2 ), Hüttenrode ( 1 ) und Heimburg ( 1 ) ab. Besonders stark sind neben den Derenburgern auch die Timmenröder im neuen Stadtrat vertreten. Mit Uwe Forstner ( CDU ) und Klaus Bartsch ( FDP ) sowie Wolfgang Zettl ( CDU Derenburg ) kommen drei weitere Abgeordnete über die Liste ihrer Partei ins kommunale Parlament, das nun von 28 auf 36 Abgeordnete anwächst. Die konstituierende Sitzung ist für Donnerstag, 29. April, anberaumt.

" Namen stehen für sachliche und faire Zusammenarbeit "

" Es ist damit eingetreten, dass die Außenbereiche der Stadt sehr stark vertreten sind. Das ist aber keineswegs schädlich ", kommentierte Bürgermeister Hanns-Michael Noll das vorläufige Ergebnis. Den kleinen Orten tue dies gut. Sie müssten keine Angst haben, untergebuttert zu werden. Noll freute sich, dass – bis auf Heimburg – alle Bürgermeister oder Vizebürgermeister der Ortsteile im neuen Stadtrat vertreten sein werden – so Jürgen Baum ( Timmenrode ), Ulf Voigt ( Wienrode ), Evelin Jasper ( Cattenstedt ), Gunter Freystein und Joachim Borchert ( beide Hüttenrode ), Rüdiger Klamroth ( Börnecke ) und Reinhard Brandt ( Derenburg ). " Ich denke, dass allein schon diese Namen für konstruktive, sachliche und faire Zusammenarbeit stehen. "

Zufrieden mit dem Wahlausgang war angesichts von zehn errungenen Sitzen der CDUFraktionschef Klaus Dumeier. " Wir werden jetzt versuchen Partner zu finden. Dies macht vor allem für Einzelbewerber oder kleine Gruppen Sinn, wenn es um die Zusammensetzung der Ausschüsse geht ", so Dumeier. Mit wem die CDU koalieren werde, könne er aber noch nicht sagen. Nicht zufrieden war auch er mit der geringen Wahlbeteiligung. " Die Bürger haben einen historischen Stadtrat gewählt. Noch nie war die Stadt so groß wie heute mit mehr als 23 000 Einwohnern. Schade, dass viele nicht das Recht genutzt haben, bei der Gestaltung der neuen Stadt mitzureden. "

Noch drastischer formulierte es Ulrich-Karl Engel ( Bündnis 90 / Die Grünen ), der wiedergewählt wurde : " Angesichts der geringen Wahlbeteiligung gibt es nichts zu beschönigen. Die übergroße Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hat bewusst oder unbewusst ein deutliches Zeichen für Gleichgültigkeit gegenüber der Gegenwart und Zukunft unserer Stadt gesetzt. Hier wird offenbar eine Einsamkeit all jener Engagierter deutlich, die sich innerhalb des Stadtrates aber auch in gesellschaftlichen Organisationen, in Interessenvertretungen, ob als Schöffen, in Vereinen oder Elternvertretungen ehrenamtlich für das Gemeinwohl einsetzen. "