In der Serie " Neue Fassaden – Alte Geschichten " stellt die Harzer Volksstimme die Historie interessanter Häuser in Wernigerode vor. Mit diesem Thema haben sich auch Heimatforscher wie Dr. Uwe Lagatz und Mitarbeiter der Oskar Kämmer Schule, unterstützt von der Kommunalen Beschäftigungs-Agentur, befasst. Ihre Erforschung der Stadtgeschichte fließt in die Beschreibungen mit ein. Der historische Rundgang wird auf der Breiten Straße fortgesetzt.

Wernigerode. Mit Seifensieden, dem Fleischerhandwerk und dem Bau von Wagen haben die heutigen Bewohner des Hauses Breite Straße 71 nichts zu tun.

Das stattliche Fachwerkgebäude, das als " Haus Preysser " in die Wernigeröder Stadtgeschichte einging, war 1696 von dem Seifensieder und Kerzenzieher Christof Preysser erbaut worden. Überliefert sind in der wechselvollen Historie auch ein Hufschmied, ein Fleischermeister, ein Branntweinbrenner und ein Sattlermeister als Besitzer beziehungsweise Nutzer des Hauses.

Im Erdgeschoss befindet sich jetzt eine Filiale der Brockenbäckerei Freystein, darüber residiert ein Notar und Anwalt. In dem Gebäude befinden sich außerdem zwei Wohnungen und zwei Ferienwohnungen. " Wir haben das Haus 1995 grundsaniert ", berichten die heutigen Besitzer Ina und Jens Tscheuschner. In dem dahinter liegenden ehemaligen Kutschenbaubetrieb betreiben sie eine Pension.

Bei ihrem Haus handelt es sich um den einzigen Bau in Wernigerode, der der Übergangsperiode von Renaissance zum Barock zugeordnet wird und als Manierismus bezeichnet wird. Das bedeutet soviel wie nachahmen. Deutlich zu erahnen ist, dass es sich um ein Ackerbürgerhaus handelt, wovon es viele in der Neustadt gibt. Links in dem Gebäude befindet sich eine recht große Toreinfahrt. Denn der Hausbesitzer betrieb neben seinem Gewerbe als Seifensieder noch eine kleine Landwirtschaft.

Auffällig an dem Haus sind links der Name des Erbauers Christof Preysser sowie dessen Frau " Bar ", vermutlich Barbara Margaretha Blanken. Außerdem ist die Jahreszahl 1696 verewigt. Zwischen den Namen fällt der geflügelte Puttenkopf auf. Zu erkennen sind noch zwei nach außen blickende Männerköpfe mit orientalischer Kopfbedeckung, denen Schnurrbärte aus den Nasenlöchern wachsen.