Die Frage, ob für die Luftrettung zusätzliche Landeplätze rings um den Brocken benötigt werden, beschäftigt Verwaltung wie Experten gleichermaßen. Nach einem erneuten Vorstoß von Brockenwirt Hans Steinhoff gibt es in Magdeburger Ministerien höchst unterschiedliche Standpunkte.

Schierke / Magdeburg. Werden im Nationalpark rings um den Brocken zusätzliche Landeplätze für Rettungshubschrauber benötigt ? In dieser Frage gibt es in der Magdeburger Landesregierung unterschiedliche Auffassungen.

Das Sozialministerium erklärt sich für nicht zuständig, das Umweltministerium hält die Landeplätze für ausreichend, doch das Verkehrsministerium will zusätzliche unkompliziert genehmigen. Was für ein Behörden-Wirrwarr !

Nach einem Beinbruch einer Wanderin zum Monatsanfang habe der Brockenwirt die Sanitäter zum Unfallort fahren müssen, der Hubschrauber habe nur mit großem fliegerischen Geschick " zwischen den Bäumen " am Glashüttenweg landen können, hatte Hans Steinhoff am Brockenstammtisch berichtet ( Volksstimme vom 9. April ). Seine Forderung, bereits am Brockenstammtisch im vergangenen August eigens zu diesem Thema erstmals erhoben : Die Luftretter benötigen dringend mehr Möglichkeiten zum Landen.

Sachsen-Anhalts damalige Gesundheitsministerin Gerlinde Kuppe versprach seinerzeit, sie wolle sich des Themas annehmen. Heute heißt es aus dem inzwischen von Norbert Bischoff ( SPD ) geleiteten Ministerium : Man sei gar nicht zuständig. Ansprechpartner in dieser Frage sei vielmehr das Verkehrsministerium.

Weil die Rettungshubschrauber Christoph 30 ( aus Wolfenbüttel ) und Christoph 37 ( Nordhausen ) im Nationalpark landen müssen, ist auch Umweltminister Hermann Onko Aeikens ( CDU ) gefragt : " Im Nationalpark sind Vorkehrungen getroffen, um geeignete Zugänge für den Rettungsdienst zu haben und einen schnellen Zugang zu ermöglichen ", so der Politiker zur Volksstimme. Aeikens erinnerte daran, dass drei Hubschrauberlandeplätze ausgewiesen sind, einer davon direkt am Brockenbahnhof. Der Minister verwies zudem auf die Wetterverhältnisse : Diese ließen mit durchschnittlich 200 Nebeltagen im Jahr und hohem Windaufkommen nicht jederzeit zu, dass auf dem Brocken ein Hubschrauber landen könne. Deshalb sind der Goetheweg vom Torfhaus zum Brocken und erste Teile der Brockenstraße von Schierke zum Brocken bereits so ausgebaut worden, dass sie von Rettungsfahrzeugen für einen schnellen Einsatz im Ernstfall genutzt werden können, so Aeikens abschließend.

Aus dem Verkehrsministerium heißt es hingegen : Neue Landeplätze wären kein Problem. Dafür müsse lediglich ein Betreiber " dieser Anlagen " einen Antrag ans Hallenser Landesverwaltungsamt stellen. Das Ministerium werde als fachlich zuständige Behörde, so Sprecher Harald Kreibich, diesen Antrag unkompliziert prüfen und zustimmen.

Unterdessen und unabhängig von diesem Ministeriums-Wirrwarr scheint man vor Ort im Harz schon einige Schritte weiter zu sein. Wie Wernigerodes DRK-Chef Erich Goedecke, übrigens selbst Mitglied der Bergwacht, informierte, habe er sich mit einem zuständigen Förster bereits auf zehn Standorte für die Luftrettung im Nationalpark geeinigt : " Jetzt im Frühjahr fangen wir an. "