Der Wernigeröder Künstler Karl-Heinz Ziomek wird heute 80 Jahre alt. Er blickt auf ein bewegtes Leben zurück, welches er durch seine Holz-Skulpturen verarbeitet und zu verstehen versucht.

Wernigerode. " Was ich mir für mein neues Lebensjahr wünsche ?", Karl-Heinz Ziomek überlegt. " Keine großen Veränderungen. Wenn alles so bleibt, wie es ist, bin ich zufrieden. "

Heute ist der 80. Geburtstag des Wernigeröder Künstlers. Seit gestern kann in der Galerie 1530 des Kunst- und Kulturvereins, Marktstraße 1, seine neue Ausstellung " Skulpturen – Ein Leben im Holz " besichtigt werden. Zentrales Thema all seiner Werke : " Was sind meine persönlichen Empfindungen, und was ist mir von anderen aufgezwungen worden. " Zu erklären sind diese Gedanken durch die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, die der 80-Jährige miterlebt hat. " Wenn 18-oder 19-jährige Deutsche sich 1945 freiwillig zum Krieg meldeten, fragt man sich : ‚ Wer hat denen da seinen Willen aufgezwungen ‘?"

Ein weiterer Umstand, der den Holzschnitzer beeinflusst hat : " Ich kann ohne Stolz sagen, dass ich jetzt die vierte Staatsform miterlebe. " Die Menschen haben in jeder Gesellschaft verschieden gedacht, aber sie seien immer davon überzeugt gewesen, dass nur ihre Denkweise die richtige sei.

Ausgedrückt habe er solche Empfindungen unter anderem in seiner Skulptur ‚ Mein Ghetto ‘. Die Kirschbaumholz-Figur lehnt ihren Körper zur Seite, das Gesicht blickt zu Boden. " Diese Figur will aus ihrer Situation ausbrechen ", erklärt der Wernigeröder Kulturpreisträger. " Sie möchte sich befreien. " Er schweigt einen Moment. " Aber auch wieder nicht. Denn sie hat Angst. " Genau darum gehe es oft im Leben : Man schwebe ständig zwischen dem Streben nach Freiheit und der Scheu vor dem Neuanfang.

" Ich drücke in meiner Kunst den Wunsch aus, die Gesetzmäßigkeiten des Lebens zu akzeptieren ", sagt der Mann, der seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Wernigerode lebt. " Man muss verstehen, dass es für alles im Leben eine Zeit gibt, und dass wir keine Chance haben, uns gegen diese Ordnung aufzulehnen. " Und : " Man müsse den Lauf des Lebens einfach akzeptieren. "

Neben seiner Leidenschaft für Kunst, ist Karl-Heinz Ziomek außerdem ein " bekennender Hundenarr ". An seinem heutigen Ehrentag wird er " ganz gemütlich " mit seinem vierbeinigen Freund spazieren gehen und anschließend mit seiner Frau Kaffee trinken. Er liebe keine großen Feierlichkeiten. " Ich bleibe lieber in kleiner Runde. So kennen mich die meisten ", sagt der Künstler, dessen Arbeiten in der ganzen Stadt zu sehen sind.

Sein Fazit über die vergangenen 80 Jahre ? " Immer überzeugt davon sein, dass das was ich tue, das ist, was ich tun will und tun muss. " Er runzelt die Stirn. " Ich mache mir nichts vor. In meinem Alter steht das Ende vor der Tür. " Da gebe es kein schöneres Gefühl, als zu wissen, dass man mit seinem Leben etwas Nützliches angefangen habe.