Quedlinburg. Manchmal kann auch der ehrwürdigste Gerichtssaal fast zu einer Comedy-Bühne werden. So wie im Fall der 46-jährigen Quedlinburgerin, der jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt wurde. Fast 50 Mal hatte sie im Dezember 2008 eine 500-Euro-Banknote kopiert, um damit ihre Schulden zu begleichen. Ziemlich stümperhaft ging sie dabei vor : Die Farbe stimmte nicht, manchmal waren Vorund Rückseite nicht dem Original entsprechend bedruckt, charakteristische Merkmale wie Wasserzeichen oder Metallstreifen fehlten, und die einzelnen Scheine waren mit der Schere aus dem Kopierpapier herausgeschnitten.

Das " Geld " packte sie in zwei Umschläge, an zwei unterschiedliche Banken adressiert, bei denen sie Kredite zu tilgen hatte. Und legte ein Schreiben bei, in dem sie frank und frei formulierte, dass sie selbst gemachtes Geld abgeschickt habe. " Ich habe mich in einer finanziellen Notlage befunden und wollte die Banken darauf aufmerksam machen ", nannte die Frau vor Gericht ihr Motiv für die seltsame Tat. Eine Art Hilfeschrei sei das alles gewesen. Haus und Auto wollten finanziert werden, doch dann kam die Arbeitslosigkeit. Geärgert habe sie sich, dass nach zehn Jahren der Kredit für das Haus immer noch nicht geschmolzen sei, sondern sie lediglich Zinsen habe zahlen müssen. Bei Anrufen bei den Banken habe man ihr gesagt, dass sie die Verträge erfüllen müsse.

" War in finanzieller Notlage "

Dann kam ihr, nachdem sie im Internet einen Beitrag gefunden hatte, laut dem es einem Spanier gelungen sei, mit Falschgeld seine Schulden zu begleichen, die Idee, es ebenfalls mit dieser Methode zu versuchen. Vor dem Gericht stand nun die Aufgabe zu klären, ob die Quedlinburgerin Falschgeld in Umlauf gebracht und sich mit Täuschungsabsicht einen Vermögensvorteil verschaffen wollte. Für den Staatsanwalt stand fest, dass es diese Täuschungsabsicht nicht gegeben hat. Schließlich habe die Frau das Geld laienhaft kopiert, darauf hingewiesen, dass es nicht echt ist und sei davon ausgegangen, dass die Bankmitarbeiter, die die Umschläge öffneten, bereits beim ersten Kontakt mit dem Falschgeld es als solches erkennen mussten.

Also beantragte der Staatsanwalt Freispruch, dem das Gericht zustimmte. Die Geldfälscherin musste sich jedoch einige auch unangenehme Dinge anhören, die sie sich künftig zu Herzen nehmen sollte. " Lassen Sie sich das eindringlich gesagt sein : einmal und nie wieder solch einen Blödsinn ", mahnte der Staatsanwalt. Der Hilfeschrei in einer finanziellen Notlage müsse auf jeden Fall anders aussehen, als der von der 46-jährigen Quedlinburgerin praktizierte, meinte Richterin Antje Schlüter. " So erzwingen Sie kein Gespräch, sondern geraten in noch größere Schwierigkeiten ", gab sie der Frau mit auf den Weg.

" Nie wieder solch einen Blödsinn "

Die hat inzwischen mit Hilfe ihrer Familie den Autofinanzierungskredit getilgt und zahlt Monat für Monat die Raten für das Haus, wie sie versicherte. Dass die Falschgeldaktion ihr nicht nur jede Menge Ärger, sondern auch zusätzliche Kosten eingebracht hat, schien sie nicht bemerkt zu haben. Denn die Geldkopiererei hat schließlich auch Kosten verursacht für Papier, Druckerpatronen sowie Stromverbrauch. Und das alles für eine Aktion, für die man " kleinen Kindern den Hintern versohlt hätte ", wie der Staatsanwalt es ausdrückte.