Wernigerode. Geziemt es sich, über eine betagte Dame zu sagen, sie wäre so etwas wie ein hohler Vogel ? Egal, auf die von reichlich Verkleidung befreite Turnhalle des Wernigeröder Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums trifft dieser Vergleich dennoch zu.
Das mehr als 100 Jahre alte Gebäude muss sich in diesen Tagen und wohl auch in den kommenden Monaten einer kräftigen Schönheitskur unterziehen. Wobei, eine " Notoperation " beschreibt die tatsächlichen Schäden an dem Fachwerkgebäude an der Johann-Sebastian-Bach-Straße weitaus treffender.

840 000 Euro stehen bereit, um dieses Baudenkmal nicht nur zu erhalten. Die Turnhalle soll den Schülern des Gerhart-Hauptmann- und des Landes-Musikgymnasiums wieder ohne Einschränkungen im Sportunterricht zur Verfügung stehen. Das Geld dafür stammt aus dem sogenannten Konjunkturpaket : 735 000 Euro von der Investitionsbank, 105 000 Euro aus der Kreiskasse. Dass es dieses Projekt nach zähem Ringen, auch der Eltern und Schüler, auf die Prioritätenliste geschafft hat und dass sich Kreistag und Kreisverwaltung trotz angespannter Haushaltssituation für die Turnhalle ausgesprochen haben, dazu erklärte Schulleiter Reiner Schulz : " Die Schüler, Eltern und wir Lehrer sind erleichtert, schließlich stand das Aus für unsere Halle wegen akuter Verletzungsgefahren kurz bevor. "

Als Fertigstellungstermin war ursprünglich der kommende Oktober benannt worden. Ob dieser Termin zu halten sein wird und ob sich auch die Baukosten im geplanten Rahmen bewegen, dazu sind in den nächsten Tagen wirklich kreative Lösungen gefragt. Der Holzgutachter hat in seiner umfänglichen Analyse erhebliche Schäden am Fachwerkskelett festgestellt. Die Balken in der Halle zieren mit Kreide geschriebene Zahlen. Eine Zeichnung in den Bauakten zeigte rote und schwarze Hölzer, viele rote müssen erneuert werden.

Wie Denkmalpfleger Wolfgang Wolter betonte, würden " keine maßlosen Forderungen " gestellt. Allerdings, so der Experte, handele es sich bei dieser ‘ Körperertüchtigungsanstalt ‘ aus dem Jahr 1871 um Sachsen-Anhalts zweitälteste Turnhalle. Sie sei gar die einzige Fachwerk-Halle, die noch immer sportlich genutzt werde.

Darum, so Wolter, müssten wichtige bauliche Elemente des denkmalgeschützten Gebäudes entweder erhalten oder restauriert werden. Bis in die 1920 er Jahre, so der Bauexperte, war die Halle auch äußerlich als Fachwerkhaus zu erkennen. Dann, wohl auch aus energetischen Gründen, sei sie mit einer Bretterverkleidung versehen worden. Die Fragen moderner Bauisolierung und sogenannter Energieeffizienz werden in der Turnhalle an Wernigerodes Bachstraße wissenschaftlich untersucht. Die Bauingenieurin Sabine Becker befasst sich mit dem Thema in ihrer Masterarbeit.