Wernigerodes Stadtwald ist in den letzten drei Jahren fachlich durchleuchtet worden. Die von einem externen Sachverständigen entwickelte Studie mit dem Titel " Forsteinrichtung 2009 - 2018 " liegt jetzt vor. Sie dient für diesen Zeitraum als Planungsgrundlage.

Wernigerode. " Wir sind gesetzlich verpflichtet, unseren Wald zu bewirtschaften ", begründete Michael Selmikat die Notwendigkeit für die Studie vor dem Bau- und Umweltausschuss.

Eine periodische Planung ist nach Darstellung des zuständigen Sachgebietsleiters aus mehreren Gründen unabdingbar. So gab es bisher nur veraltete und unvollständige Daten, die aus mehreren Forstbetrieben stammten. Zudem führten der Waldflächentausch von 2002 bis 2007, die größte Borkenkäferplage der letzten Jahrzehnte 2004 und 2006 sowie Orkantief " Kyrill " am 18. Januar 2007 zu komplett anderen Grundstücksverhältnissen.

Seit 2008 hat deshalb Hagen Kelle Wernigerodes Stadtwald unter die Lupe genommen. Nach Angaben des unabhängigen Sachverständigen umfasst er insgesamt 2075 Hektar. Davon entfallen knapp 22 Hektar auf Schierke. Deutlich dominierend ist die Fichte. Sie bedeckt allein 1160 Hektar, gefolgt von Buche ( 250 ), Eiche ( 211 ) und anderen Gewächsen wie u. a. Kiefer und Lärche ( 100 ). Kelle : " Die Buchenwälder wurden alle mal in Fichten umgewandelt. " Durch Windwurf und Käferschäden gibt es bei letzteren derzeit 100 Hektar Brache. Bereits jetzt stehen deshalb jährlich 20 Hektar künstliche Aufforstung im Plan. Langfristig, so der Blankenburger, geht es um einen Umbau vom Nadel- zu einem Mischwald hin. Mit Buchen, aber auch Douglasien. Hagen Kelle : " Weil sie besonders ertragreich sind. " Nur Buchen " ist ökonomisch nicht zu leisten ", denn sie haben ungeschützt keinerlei Chance gegen einen Verbiss durch Wild. Unabhängig davon bleibt die Fichte aber eine wichtige Holzart im Stadtforst. Der Sachverständige : " Für eine Eiche brauche ich z. B. 180 Jahre, um Geld zu verdienen, für eine Fichte nicht mal 80 Jahre. "

Diese Aussage blieb allerdings die einzige, die zumindest annähernd zu wirtschaftlichen Aspekten getroffen wurde. Denn, so Kelle : " Die ‘ Forsteinrichtung ‘ beschäftigt sich vorrangig mit der naturalistischen Seite. " Und Michael Selmikat ergänzte : " Das ist keine Finanzplanung. " Der Sachgebietsleiter : " Wir wissen nicht, was in den nächsten Jahren passiert. " Sicherlich könnten über die Einschlagmenge die Kosten gedeckt werden. Allerdings liegen die Aufwendungen z. B. durch notwendige Vorhaben zur Gefahrenabwehr erheblich höher. Immerhin lässt sich der finanzielle Aufwand senken, weil in der jüngsten Vergangenheit viele Wege instandgesetzt werden konnten. Andererseits fallen sicherlich bald Investitionen für den Fuhrpark an. Auch am Forsthaus " ist einiges zu tun ". Michael Selmikat : " Wir versuchen, das aus der Werterhaltung zu bestreiten. "

Knapp eine Stunde währten die fachlichen Ausführungen zum Wernigeröder Stadtwald. Mit Sylke Möser wusste deren Inhalt zumindest ein Mitglied des Ausschusses gebührend zu würdigen. Die Schierkerin : " Das ist eigentlich ein forstlicher Höhepunkt. " Sie muss es wissen : Sie ist vom Fach.