2009 war für den Harz ein erfolgreiches touristisches Jahr : Erstmals seit der Jahrtausendwende, so hat gestern der Harzer Tourismusverband bilanziert, gab es ein Wachstum in Ost und in West. Mit diesem Aufwind ausgestattet, soll in den kommenden Jahren der Verband innen wie außen weiter " umgekrempelt " werden, hat Geschäftsführerin Carola Schmidt angekündigt.

Goslar / Wernigerode. " Der Harz ist weiter im Aufwind ", schätzte Stephan Manke ( SPD ) als Vorsitzender des Harzer Tourismusverbandes ein. Knapp eineinhalb Prozentpunkte mehr bei den Übernachtungszahlen stehen in den Büchern für das 2009 er Geschäftsjahr. 6, 1 Millionen in Hotels- und Pensionen, rund 1, 3 Millionen Übernachtungen bei privaten Vermietern und etwa eine Million Camper ( Tendenz steigend ) bedeuteten, dass der Harz rund zehn Millionen touristische Übernachtungen vorweisen könne.

Was Manke als Goslarer Landrat dabei besonders erfreute : Erstmals seit der Jahrtausendwende gibt es bei Urlaubern und Übernachtungen auch im niedersächsischen Teil des Gebirges wieder ein Plus.

Dass die Region im krisengeschüttelten Vorjahr von ausgebliebenen Ferien-Flugreisen ans Mittelmeer oder noch weiter weg profitieren könne, darauf hatten die Verantwortlichen in Goslar gehofft. Allerdings tritt ein solcher Erfolg nicht automatisch ein. Laut Manke müssten mit dem Harz vergleichbare Urlaubsregionen wie der Bayerische Wald, der Schwarzwald oder das Sauerland Einbußen von bis zu 2, 5 Prozent verkraften.

Dass es auch jenseits von Brocken und Ecker touristisch wieder vorangeht, hat einen Grund darin, dass in Hotels und Pensionen in Niedersachsen inzwischen kräftig investiert wurde. Mit Hilfe der gesenkten Mehrwertsteuer werden weitere Häuser folgen, gab sich Carola Schmidt zuversichtlich. Als Geschäftsführerin des Goslarer Verbandes absolvierte sie gestern ihre erste Bilanz-Pressekonferenz. Nachdem sich der frühere HVV im Vorjahr nicht nur einen neuen Namen, sondern auch eine neue Struktur gegeben hat, werden 2010 weitere Änderungen folgen.

Parallel zur Produktentwicklung, so Schmidt, müsse auch das eigene Marketing verbessert werden. Mit Hilfe einer Berliner Agentur soll noch im April ein kräftig überarbeiteter Auftritt der Harzwerber vorgestellt werden. Gemeinsam müsse die " Dachmarke Harz " weiterentwickelt werden. Geplant sei, im Internet, in den Medien und weiteren Werbeauftritten diese neue Linie zügig umzusetzen. Es müsse gelingen, so

Schmidt, daran alle Mitglieder und Partner des Harzer Tourismusverbandes zu beteiligen.

Der weltgrößte Urlaubskonzern, die Tui, nutzte einmal mehr den Termin in Goslar, um den speziellen Harz-Reisekatalog vorzustellen. Die inzwischen 13. Auflage ist derzeit der einzige deutsche Regionalkatalog. Darüber hinaus finden sich Angebote Harzer Gastgeber aktuell in acht Katalogen allein dieses Veranstalters.

Für die Tui konnte Andreas Casdorff erklären, dass der Harz bei Kundenbefragungen mit überdurchschnittlicher Kundenzufriedenheit aufwarten könne. Er verwies auf statistische Daten von 2008, wonach es in Deutschland eine Reklamationsquote von 1, 7 Prozent gebe, bei Harzurlaubern lediglich 0, 7 Prozent. Dass das Gebirge bei Familien – auch in den Sommermonaten im Wettbewerb mit Ost- und Nordsee sowie den Alpen – immer beliebter werde, zeige die Chancen der Ferienregion auf.

Die Marktforschung des Konzerns habe zudem ergeben, dass inzwischen rund 40 Prozent aller Gäste ihren Urlaub sehr kurzfristig buchen, dass sie meist für maximal sechs Tage anreisen und in der Mehrzahl finanziell betrachtet zur sogenannten Mittelschicht zu zählen sind, informierte Casdorff.

Die Anstrengungen des Harzer Tourismusverbandes, die " Marke Harz " zu stärken, unterstützt er ausdrücklich, wollte allerdings auf Volksstimme-Nachfrage nicht sagen, welche Schwächen der Harz bislang aufweise. Der Tourismus-Manager : " Alle Verantwortlichen müssen wissen, sie konkurrieren mit Angeboten wie ‘ Türkei ‘ oder ‘ Andalusien ‘, da haben einzelne Harzer Orte nun gar keine Chance. "