Die Stadt will an der Parkuhr drehen ( wir berichteten ) und stellt auch anderen Gebührensatzungen auf den Prüfstand. Besonders drastische Erhöhungen könnte auf die Wernigeröder Gastronomen und Pferdefuhrunternehmer zukommen.

Wernigerode. Im städtischen Haushalt klafft ein 900 000-Euro-Loch, die Verwaltung muss sparen – und auf der anderen Seite mehr Geld einnehmen. Deshalb stehen derzeit sämtliche Gebührensatzungen auf dem Prüfstand.

Wie jene für Parkgebühren, die bei den Lesern der Harzer Volksstimme weiter für Diskussionsstoff sorgen. " Wenn die Stadt mit Parkgebühren mehr verdienen will, gibt es dafür genug andere Gelegenheiten ", meint Bianka Eckler. In der Straße Im Stadtfelde etwa werde regelmäßig wild geparkt, so dass selbst Einfahrten versperrt würden und für den Rettungsdienst manchmal kein Durchkommen sei. " Aber meine Hinweise an das Ordnungsamt waren ohne Erfolg ", so die Wernigeröderin. Dabei würden die regelmäßigen Kontrollen die Situation verbessern und eben mehr Geld einbringen.

Heute Abend entscheiden die Stadtratsmitglieder über diese neue Satzung. Wenn es nach der Verwaltung geht, werden zukünftig montags bis sonntag von 8 bis 18 Uhr Parkgebühren kassiert. Über einen Änderungsvorschlag des Ordnungsausschusses, wonach der Sonntag weiter gebührenfrei bleibt, wird ebenfalls abgestimmt.

Die Sondernutzungsgebührensatzung ist heute auch Thema im Stadtrat und erregt ebenso die Gemüter der Wernigeröder, vor allem der Gastronomen in der Innenstadt. Die Betreiber von Biergärten und Straßencafés sollen tiefer in die Tasche greifen. Besonders tief jene, die sich in der Toplage befinden. Wurden bislang von Gastronomen am Markt und in der Breiten Straße bis Höhe Burgstraße 2, 50 Euro für den Quadratmeter kassiert, stehen nun 4, 5 und sogar 6 Euro zur Debatte.

" In keinem Verhältnis zur Realität "

" Egal wieviel, die Erhöhung steht in keinem Verhältnis zur Realität ", hadert Christian Wieland. Die Gebühr werde pauschal für den beantragten Zeitraum kassiert, ohne Rücksicht auf Ausfalltage wegen schlechter Witterung. Der Juniorchef vom Hotel " Weißer Hirsch " habe auf die bevorstehende " Kostenexplosion " schon reagiert. " Früher haben wir zum 1. März unsere Außenplätze angeboten, diesmal fangen wir später an. "

Bei den 16 Plätzen vor dem Hotel " Gothisches Haus " würden sich die Mehrkosten zwar im Rahmen halten, " doch Preiserhöhungen sind nie gut ", sagt Chefin Petra Sowada. So etwas rege vielmehr die Überlegung an, " ob man überhaupt noch mitmacht ".

" Es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben ", meint Michael Wiecker, selbst CDUMitglied des Stadtrats. Der Konditormeister und Betreiber des " Café am Markt " habe sich aus der Diskussion bewusst herausgehalten. Als Geschäftsmann gibt er jedoch zu bedenken : " Die Erhöhung muss verträglich gestaltet sein, nicht so knall hart ". Vor allem für jene, die nicht wie er, Tische und Stühle auf der Sonnenseite zu stehen haben.

Dazu zählt Marga Siegemund, Chefin vom " Café Wien ". " Ich bin mit der Höhe der Verteuerung nicht einverstanden ", sagt sie. Bei einer geringeren Anhebung ließe sie mit sich reden. " Die Leute im Rathaus sollten auch an uns denken, die sich ebenso um das Wohl der Stadt bemühen. " " Einfach frech ", findet Ulrike Kräcker die Vorstellung, das Doppelte und vielleicht noch mehr für die Plätze vor ihrem " Schlemmercafé " zu bezahlen. " Markt ist Markt, doch wir in der Breiten Straße haben wahrlich mehr zu knabbern. "

Die Pferdekutscher trifft es auch hart : Nach Vorschlag der Verwaltung sollen sie zukünftig 150, 200 oder 300 Euro im Jahr für einen Kutschenstellplatz zahlen. " Das höre ich zum ersten Mal ", ist Fuhrunternehmer Dieter Linde empört. " Vorher haben wir gar nichts bezahlt. " Er wolle Widerspruch einlegen. Linde : " Sonst verdienen wir ja gar nichts mehr. " Übrigens