Die Wernigeröderin Skadi Giertz ist 27 Jahre alt. Sie arbeitet als Architektin, hat ihr Traumhaus entworfen und bauen lassen. Für dieses Projekt wurde sie von der Architektenkammer des Landes ausgezeichnet. Auch mit einer mehrseitigen Fotostrecke in einer der größten Wohnzeitschriften Europas erhält sie Anerkennung.

Wernigerode. Wer den Lebenslauf von Skadi Giertz liest, muss erstmal schlucken : Nach zwölf Jahren Schule das Abitur, innerhalb von vier Jahren das Architektur-Studium in Erfurt absolviert, dann Rückkehr nach Wernigerode, wo sie mit 25 Jahren eine Obstwiese auf dem Nachbargrundstück ihrer Eltern kauft und dort ihr eigenes Haus baut. Wenig später erfolgt die Auszeichnung der Architektenkammer, und jetzt hat auch noch die " Schöner Wohnen " einen Beitrag über ihr Bauprojekt veröffentlicht.

Wer das Haus am Blockshornbergsweg in Hasserode sieht, den wundert der ganze Wirbel nicht : Das Gebäude aus sibirischer Lärche wirkt wie eine Schwebebühne, die sich über den Berghang schiebt. Skadi Giertz öffnet dem Volksstimme-Besuch in Jeans und pinkfarbenem Pullover die Tür. Die langen schwarzen Haare hat sie zu einem lockeren Zopf gebunden. Sie führt routiniert durch das Haus, erzählt von Hund " Paula " und serviert Kaffee in weißen Tassen, die keine Henkel haben.

Die Idee für ihr Traumhaus sei ihr sozusagen " über Nacht gekommen ", erinnert sich die 27-Jährige und lacht. Sie sei aufgewacht, habe sich hingesetzt und den Grundriss gezeichnet : Ein Haus, komplett aus Holz, mit mehreren Zimmern, aber ohne Wände. Diese werden durch Schränke, die vom Boden bis an die Decke reichen, ersetzt.

Klingt seltsam, neumodisch, einfach anders. " Das denken viele ", weiß die Wernigeröderin und grinst. Ob sie das stört ? " Nein. Wenn die Leute so etwas sagen, weiß ich, dass ich meinen Job gut gemacht habe. " Oft genug komme es vor, dass Spaziergänger minutenlang vor ihrem Holzhaus stehen bleiben und es anstarren. " Ich bitte sie dann einfach herein. " Die meisten seien positiv überrascht und oft sogar richtig begeistert von der ungewöhnlichen Bauweise.

Kein Wunder. Einen typischen Eingangsbereich gibt es nicht. Man steht sofort in einem langgezogenen hellen Raum, der Wohnzimmer-, Küche und Essplatz in einem ist. Hinter mehreren aneinander gereihten Türen der weißen Schrankwand verbergen sich nicht nur Regale und Stauräume, sondern auch Schlaf-, Badund Arbeitszimmer. Die Einrichtung ist edel, aber nicht protzig. " Ich kombiniere gerne Designerstücke und schlichte Möbel miteinander. "

Mit ihrer Idee ist sie nicht immer Ernst genommen worden. " Als ich den Männern von der Baufirma vor drei Jahren meine Vision vorgestellt hatte, dachten sie, ‘ was will die Kleene hier ‘. " Letztendlich habe sie die Herren von ihrem Vorhaben überzeugt : Ein Haus, das im Einklang mit der Natur steht. Deswegen hat die junge Bauherrin auf ein aufwendiges Fundament verzichtet, sondern acht Betonstützen gewählt, auf denen das Haus steht. So sparte sie eine Menge Geld, " denn das Fundament ist oft das Teuerste am ganzen Bau – vor allem in Hanglage. " Dass alles aus Holz besteht, habe auch seine Gründe. " Es passt zum Harz. Und Holz hat immer etwas Warmes und Gemütliches. Das gefällt mir. "

Ob sie immer schon Architektin werden wollte ? " Ja ", sagte sie, ohne zu zögern. Das Schönste an dem Beruf : Sie könne helfen, Träume zu verwirklichen. Ihr Ziel sei es, dass Bauherren, wenn sie ihr fertiges Haus betreten, sagen : " Genauso habe ich mir das vorgestellt. " Ihr gehe es ja auch so. Mit einem Unterschied : " So richtig glauben kann ich das alles selbst noch nicht. "