In wenigen Wochen beginnt die neue Saison für den Miniaturenpark " Kleiner Harz ". Noch sind die Mitarbeiter der Oskar-Kämmer-Schule damit beschäftigt, neue Modelle zu vollenden und alle übrigen zu reparieren. Die Harzer Volksstimme stattete der Schauwerkstatt im Bürgerpark einen Besuch ab.

Wernigerode. Es riecht nach Kleber und Farbe. Ein zaghaftes Hämmern, das Dröhnen einer Fräse. Bernd Patrzykat beugt sich über seine Werkbank. Mit feinem Pinsel und ruhiger Hand lackiert er einen Fensterrahmen. Einen winzigen Fensterrahmen – vielleicht sieben mal zehn Zentimeter groß. Mit dem Zeigefinger hält er die kleine Glasscheibe fest. " Damit sie nicht verrutscht ", sagt Patrzykat. Wenn die Farbe getrocknet ist, wird sie einmal das Schaufenster eines Geschäftshauses zieren – eines Miniaturgeschäftshauses.

Schafstall-Modell bekommt Innenleben

In der Schauwerkstatt des " Kleinen Harzes " im Wernigeröder Bürgerpark arbeiten derzeit 15 Mitarbeiter der Oskar-Kämmer-Schule – gefördert von der Kommunalen Beschäftigungsagentur. Am 1. Mai öffnet der Miniaturenpark wieder seine Pforten. Noch viel zu tun für Werkstattleiterin Marlies Ameling und ihre Mitstreiter im Schafstall. Schließlich sollen die Besucher am Eröffnungstag nicht nur die schon bekannten Bauwerke im Maßstab 1 : 25 bewundern können, sondern auch einige neue Attraktionen. Zum Beispiel das Gasthaus " Zur Steinernen Renne ". " Sogar mit Wasserlauf und Pumpe ", freut sich Ingolf Fölsch, Chef der Oskar-Kämmer-Schule, schon jetzt. Auch an der Wernigeröder Schlossterrasse, dem Brocken mit Antenne, dem ThalenserSessellift, demHalberstädter Dom und den Felswerken wird noch in der Werkstatt im Bürgerpark und ebenso in der Oskar-Kämmer-Schule gearbeitet.

Pünktlich zum 1. Mai fertig sein soll auch der Schafstall. Das Modell steht derzeit noch in der Schauwerkstatt im großen Schafstall. Dort setzt Ulrike Stock gerade die Fenster ein. " Ich muss ganz schön drücken. Die Rahmen passen nicht immer so richtig ", sagt sie. Das Miniaturhaus kommt seinem Original schon sehr nah : Die lichtgelbe Fassade, das Fachwerk, die grünumrandeten Fester im Dachgeschoss. Nur die Ziegel müssen noch gestrichen und lackiert werden. " Und die Inneneinrichtung fehlt noch ", ergänzt Marlies Ameling. Ja, der Schafstall bekommt ein Innenleben. Das Parkrestaurant mit Tresen, Tischen, Stühlen und gemütlichen Sesseln. Und selbstverständlich auch die Schauwerkstatt mit den Werkbänken und den Mitarbeitern. Ob es sie auch in Miniaturform gibt ? " Nein, mich nicht ", sagt Marlies Ameling lachend, sitzt sie doch ab 1. April im Chefsessel des Bürgerparks ( wir berichteten ) und ist dann für das gesamte Gelände verantwortlich.

80 Grad Celsius auf Dach der Kaiserpfalz

Richtig zu schaffen machen den Mitarbeitern im Moment noch die Schönheitsreparaturen an den übrigen Modellen. " Unsere Häuser haben ganz schön gelitten ", sagt Ingolf Fölsch. Wie auch bei jedem großen Gebäude zeigen sich die Schäden zuerst am Dach. Die Modelle waren im Sommer stark der Sonne ausgesetzt. Verblichene Farben und verzogene Schieferplatten sind die Folge. " Wir haben letztes Jahr mal die Temperatur auf dem Dach der Kaiserpfalz gemessen ", so Fölsch. " 80 Grad Celsius. " Das Goslarer Wahrzeichen ist es auch, das am stärksten lädiert ist. Das Dach sei regelrecht auseinandergeborsten.

Aber auch hier sind Marlies Ameling und Ingolf Fölsch zuversichtlich, dass bis zur Eröffnung alles wieder in Ordnung ist. Mitte April sollen die Miniaturen aus ihrem Winterquartier wieder zurück auf das Areal des " Kleinen Harzes " transportiert werden. Ein Kraftakt. Jedes Gebäudesegment für sich allein wiegt schon 30 bis 40 Kilogramm.

Schon jetzt und auch dann wieder können interessierte Besucher in der Schauwerkstatt erleben, wie Dächer gedeckt, Fenster gestrichen und Dachrinnen angesteckt werden. " Die Schauwerkstatt ist sozusagen das i-Tüpfelchen des ‚ Kleinen Harzes ‘", sagt Fölsch. " Erst hier sehen die Leute, wie aufwendig es ist, die Miniaturen zu bauen. " Viele würden denken, dass hier einfach nur fertige Platten zusammengesetzt werden. " Aber so ist es eben nicht. Bei uns wird wirklich jeder Stein einzeln aufgeklebt. "

Und noch etwas verrät Marlies Ameling : " Wir haben vor, am Eingang eine Tafel aufzustellen mit den Namen all derer, die am Miniaturenpark mitgewirkt haben. " Das wären inzwischen an die 400 Namen. " Beim ‚ Kleinen Harz ‘ geht es nämlich nicht nur um die Häuser, sondern auch um die Menschen, die hier wertvolle Arbeit geleistet haben. "