Mit Schnee bedeckt präsentiert sich Wernigerode seit Wochen. Wer jedoch einen winterlichen Postkartengruß von der verschneiten Stadt verschicken möchte, hat im wahrsten Sinne des Wortes schlechte Karten. Ein einziges Motiv ist am Dienstag in der Urlauberstadt zu entdecken. Die Touristen ärgert ‘ s, die Verkäufer scheinen irritiert.

Wernigerode. Sommer, Sonne, Sonnenschein wünschen sich derzeit wohl viele Menschen. Dabei scheint die warme Jahreszeit in den Postkarten-Ständern der Wernigeröder Souvenirgeschäfte schon längst eingezogen zu sein.

Für Carmen Luther aus Oberkrämer ( Brandenburg ) kaum zu glauben, hat sie doch bewusst in Wernigerode Winterurlaub gebucht. Emsig läuft sie die Fußgängerzone auf und ab, auf der Suche nach einer Ansichtskarte von der schmucken Fachwerkstadt – mit Schnee. Vergebens ! In keinem einzigen Souvenir-Geschäft habe sie ein Postkartenmotiv vom derzeitigen Straßenbild entdecken können. " Ich finde das sehr merkwürdig ", sagt sie und nutzt das Gespräch mit der Harzer Volksstimme, um sich richtig Luft zu machen : " Die ganze Stadt ist zuckerweiß, doch an den Postkartenständern blüht und grünt es in Wernigerode. "

Die Händlerin Michaela Ziegler aus einem Souvenir-Geschäft in der Wernigeröder Innenstadt ist zunächst etwas irritiert, stimmt der Touristin jedoch zu : " So schöne winterliche Motive in unserer Stadt für Postkarten wie zurzeit gab es schon lange nicht mehr. " Ihr als Händlerin seien jedoch die Hände gebunden, Winterpostkarten zu bestellen. Die Verlage würden keine vertreiben. Die Geschäftsfrau : " Vielleicht werden jetzt neue Postkarten gedruckt, auf denen das verschneite Wernigerode zu sehen ist. " Michael Menz, Mitarbeiter in einem anderen Souvenirladen, teilt die Hoffnung und erklärt den Mangel so : " Der letzte vergleichbare Winter muss sehr lange her gewesen sein. "

Harzer Volksstimme fragt bei Thorsten Schmidt nach. Der Wernigeröder ist ein solcher Verleger und erklärt : " Postkarten mit Schneemotiven sind nur gefragt, wenn auch wirklich Schnee liegt. " Viele Vertreiber wollen das Risiko nicht eingehen, in Winterkarten zu investieren. Lieber setzten sie auf jene Ansichtskarten, mit denen sie zu jeder Zeit den Markt abdecken können.

Sylvia Mesterheide aus Dresden mag jedoch keinen Frühjahrsgruß aus ihrem Winter-Urlaubsort verschicken. Sie und ihr Mann wollten die Verwandtschaft am herrlichen Ausnahmewinter in Wernigerode gern teilhaben lassen. " Ein einziges Motiv gab ‘ s in der Touristinformation. Das Wernigeröder Rathaus mit Schneekrümel, bei Nacht, ohne Menschen ", ist die Dresdnerin bitter enttäuscht. Nein, das komme für sie nicht in Frage – " dann wieder einmal das winterliche Brockenmotiv. "