Auf der Jahreshauptversammlung der Naturschutz- und Umweltverbände des Harzkreises ( ein Bericht folgt ) forderten die Anwensenden von Prof. Franz Bairlein zur gegenwärtigen Debatte über den Kormoran eine Stellungnahme. Der Experte in Sachen Vorgelforschung begrüßt " ausdrücklich " die Entscheidung. " Sie hat ihr Ziel erreicht. "

Wernigerode. " Vogel des Jahres 2010 – ein umweltpolitisches Eigentor des Naturschutzbundes ", " Angler und Teichbewirtschafter sehen schwarz ", so titelte die Harzer Volksstimme in den vergangenen Tagen. Die Freude über den in diesem Jahr so sehr in den Fokus der Öffentlichkeit gehobenen Kormoran hält sich bei vielen Harzern in Grenzen. Ist er bei Naturschützern ein faszinierender Jäger, stöhnen andere über den fischfressenden Plagegeist.

In erster Linie sind es die Bewirtschafter von Fischaufzuchtteichen, die wie in Veckenstedt sogar um ihre Existenz fürchten. Aber es sind auch die rund 800 Mitglieder der Vereinigung Nordharzer Anglerverbände, deren Vorfreude auf die anstehende Saison getrübt ist. Ihre mühevoll aufgezogene Forellenbrut würde vom Vogel des Jahres drastisch dezimiert. In Königshütte sind jüngst bis zu 13 Kormorane an der Warmen Bode gesichtet worden. " Frieren die Teiche und Seen zu, machen sich die Vögel zunehmend an den Fließgewässern zu schaffen ", hat auch Ulrich Eichler festgestellt.

Der Wernigeröder, engagiert im Wildfischverein und für die Durchlässigkeit der Forellenbäche, nutzte die Jahreshauptversammlung der Naturschutzund Umweltverbände des Harzkreises am Sonnabend, um auf das Problem aufmerksam zu machen. " Der Kormoran jagt in der Holtemme zwischen Derenburg und Wernigerode besonders tüchtig, die Äsche ist schon vollständig ausgerottet. " Und Eichler stellte im Anschluss an den interessanten Vortrag zum Thema " Vogelwelt im Klimawandel " an den Referenten die Frage, die viele im Hörsaal der Hochschule Harz bewegte : " Ist die Wahl des Kormoran zum Vogel des Jahres überhaupt gerechtfertigt ?"

" Klar ärgerlich : Fischfresser setzt sich an gedeckten Tisch "

Ein eindeutiges " Ja " und, obwohl bei der Auswahl selbst nicht mit einbezogen, " begrüße ich die Entscheidung ", entgegnete Prof. Franz Bairlein. Der Ornithologe und Leiter des Deutschen Instituts für Vogelforschung in Wilhelmshaven begründete : " Mit der Wahl ist es gelungen, dass nun endlich Naturschützer und Angler sowie Fischer über den Kormoran diskutieren und um gemeinsame Lösungen bemüht sind. " Aus Sicht des Vogelforschers sei es falsch, den Kormoran zum Abschuss wieder frei zu geben, nachdem sich die Population nach der Ausrottung durch den Menschen und fehlender Nahrungsgründe erholt habe. Heute kann er sich sogar " an den gedeckten Tisch setzen, klar ist das ärgerlich ", so Bairlein, der für die Sorgen der Teichbewirtschafter großes Verständnis habe. Doch, dass die als Schmutzfischfresser bekannte Vogelart für die Ausrottung von Edelfischen verantwortlich sein soll, bezweifle er sehr. " Die Beute reguliert den Räuber, nicht umgekehrt. " Deshalb seine Empfehlung an Eichler : " Bieten Sie dem Kormoran einfach mehr Plätze zum Fressen an. " Bairleins Fazit : " Lösungen müssen an einer breiten Front und nicht so sehr spezifisch gesucht werden. "

Projekte, den Kormoran von bestimmten Gewässern abzulenken, gibt es schon. Teiche für die Satzfischproduktion werden mit einem weitmaschigen Drahtgeflecht, Abstand 40 bis 50 Zentimeter, bespannt. Mit einer anderen sogenannten Vergrämungsmethode wird die Kommunikationsfähigkeit des Kormorans beeinflusst. Das Gerät trägt den Namen des natürlichen Feindes – Seeadler – und erzeugt Töne, die den Fluchtgeräuschen eines Kormoranschwarms entsprechen. So wird dem anfliegenden Fischfresser suggeriert : höchste Gefahr. Vom Naturschutzbund wird diese Methode ebenso wie die, den Vogel mit Kanonendonner zu verscheuchen, abgelehnt, nachzulesen im Begleitheft zum Kormoran.

Wohl auf ein positives Echo dürfte die Idee der Angler aus Hergershausen in Hessen stoßen. Ein schwarzer Plastik-Schwan dient ihnen als Kormoran-Scheuche. Übrigens