Mit einem prachtvollen Umzug haben die Derenburger Karnevalisten zusammen mit närrischem Gefolge aus umliegenden Orten das Finale der fünften Jahreszeit eingeläutet. Da strahlte selbst die Sonne über Strohkoppshausen.

Derenburg. " Macht nicht unser Freibad dicht. Ins Biobad da geh ‘ n wir nicht ! Machen wir es wie die Ahnen und ziehen in der Holtemme die Bahnen ", dichteten die Derenburger Narren, die am Sonnabend zu Hunderten durch die Innenstadt zogen. Und immer mit flotten Sprüchen und ihrem Schlachtruf " Hotte Hüh !" auf den Lippen. Thema Nummer 1 im Gefolge war natürlich die Gebietsreform und die Auswirkungen auf das Zusammenleben zwischen der neuen " Hauptstadt " Blankenburg und dem Nachbarstädtchen. Da bekamen nicht nur die Biobad-Bauer ihr Fett weg, sondern auch Bürgermeister Hanns-Michael Noll. So hatten die Jecken von der Holtemme eine " Ersatzhaltestelle " eingerichtet, für den " Sonderbus, wer zum Amte muss ". Eine Gruppe kam sogar mit einem Gefährt der " Derenburger Verkehrsbetriebe " – Abfahrtszeit in Strohkoppshausen : 8 Uhr, Ankunft am Tummelplatz : 19 Uhr. Ob diese Linie Zukunft hat ? Hoffnung auf ein gedeihliches Miteinander der beiden Städte schürten dagegen Dutzende " Blumenkinder " : " Mit Lila, Orange, Grün und Blau, vertreiben wir das alte Grau ", dichteten sie.

Darüber hinaus fielen am Sonnabend auch die Ritter vom Regenstein in Derenburg ein. Ein riesiger Drache meinte, nun das leerstehende Rathaus bewachen zu müssen. Die traditionell größte Gruppe des Umzugs kam in diesem Jahr in schmucken Holländer-Trachten daher. Für bunte Farbtupfer sorgten auch Clowns, Mönche, Nonnen, Pokerspieler, Piraten und eine Gruppe nicht mehr allzu rüstiger Arbeiter, die zeigten, was es bedeuten könnte, mit 67 in Rente gehen zu müssen.

Angeführt wurde der Zug von " Hofnarr " Werner Bodenstadt und den Spielmannszügen " Blau-Weiß " aus Derenburg, aus Rübeland-Neuwerk, aus Langenstein und erstmals aus Wasserleben – er war kurzfristig für die Langelner eingesprungen. Für beste Stimmung sorgte auch das Stadtorchester Dardesheim. " Wir sind sehr stolz, dass sie seit Jahren zu uns kommen ", dankte Präsident Karsten Selle den Spielleuten.

Einmal mehr bewiesen die Derenburger, dass ihnen weder die Ideen ausgehen, noch das närrische Volk. Auch zum Finale der inzwischen 52. Karnevalssession säumten hunderte begeisterte Zuschauer die Straßen der Innenstadt. Und das trotz Kälte und Schnee. Über ihren Häuptern ergoss sich dafür fast anderthalb Stunden lang ein zentnerschwerer Konfetti-, Bonbon- und Schokoladenregen. Und pünktlich zum Start des Zuges vom Marktplatz überstrahlte die Sonne des bunte Gewimmel, bis es sich zur traditionellen Schlüsselübergabe wieder vor dem Rathaus sammelte. Bürgermeister Reinhard Brandt gab dort gern dem Verlangen der Narren nach dem Rathausschlüssel nach. Sie würden ja schließlich besser regieren als die Holzköpfe in der Vergangenheit, spottete er.

Eine lange Tradition hat vor dem Umzug das Prinzenfrühstück im Rathaus. Bürgermeister Reinhard Brandt stellte die Räume und auch einige Getränke bereit. Den Rest des Frühschoppens übernahm das Prinzenpaar Yvonne und Thomas Wierick. " So viele Frühstücksgäste waren wir noch nie ", freute sich Karsten Selle, als er die etwa 30 Närrinnen und Narren des Elferrats, das Kinderprinzenpaar Marie-Sophie Bothe und Ian Tuchalla sowie weitere Vereinsfreunde begrüßte. Eckhard " Ecki " Brockob, Achim Zabel und Sohn Andy sorgten für richtige Stimmung, die mit dem Lied endete " Reinhard, wir danken dir ... " – nach der Melodie der britischen Nationalhymne.

Das närrische Treiben in Derenburg geht am heutigen Rosenmontag natürlich weiter. Traditionell statten dabei Abordnungen des Carnevalvereins der Grundschule und dem Kindergarten Besuche ab. Am Nachmittag sorgen sie schließlich im Katharinen-Hospital für Stimmung.