Ein ebenso überraschendes wie glückliches Ende fand gestern Vormittag die großangelegte Suche von Polizei und Technischem Hilfswerk nach einem Wernigeröder. Der schwerbehinderte Mann war am Mittwoch aus seiner Wohnung verschwunden. Gefunden wurde der Vermisste im Seniorenzentrum " Stadtfeld ". Er will dort unbedingt bleiben.

Wernigerode. Der 62-Jährige hatte gegen 15. 30 Uhr seine Wohnung an der Minslebener Straße verlassen, schildert Uwe Becker den Fall.

Der Pressesprecher des Polizeireviers Harz in Halberstadt : " Eine Stunde später wurde er von seiner Frau als vermisst gemeldet. " Da der Mann deren Angaben nach pflegebedürftig, orientierungslos und nicht in der Lage sei, sich klar zu artikulieren, starteten die Beamten noch am Mittwochabend eine großangelegte Suchaktion. Von Mitternacht bis morgens um 4. 30 Uhr wurden sie dabei auch von 14 Mitgliedern des Technischen Hilfswerks aus Quedlinburg und fünf Hunden unterstützt. Becker : " Für diesen Einsatz ist ihnen ein ausdrücklicher Dank zu zollen. " Zunächst allerdings blieb der stark gehbehinderte Rentner wie vom Erdboden verschluckt. Auch eine weitere von den Fahndern georderte tierische Spürnase aus den eigenen Reihen schnüffelte vergebens.

Gestern Vormittag um 11 Uhr dann die Überraschung : Eine aufmerksame Mitarbeiterin des Seniorenzentrums " Stadtfeld " meldete einen " personellen Überhang " in der Einrichtung. Sie hatte zuvor einen ebenfalls von der Landespolizei angeforderten Hubschrauber über dem Wohngebiet kreisen gesehen.

So ganz ohne Orientierung, wie von seiner Frau erklärt, kann der Wernigeröder allerdings nicht gewesen sein. Zwar sind es von der Minslebener Straße bis zum Seniorenzentrum " Stadtfeld " an der Ernst-Pörner-Straße 13 nur wenige Meter. " Er weiß ganz genau, was er will ", ist Sieglinde Golz dennoch überzeugt. Und : " Der Mann hat einfach Hilfe gesucht. "

Die Leiterin der Einrichtung der Gesellschaft für Sozialeinrichtungen ( GSW ) berichtet : Zunächst bemerkte niemand, dass der Rentner überhaupt nicht in das Haus gehört. Am Mittwochnachmittag war gerade eine Neuaufnahme mit Angehörigen im Foyer eingetroffen. Er stand mit seinem Koffer einfach dahinter. Die Beschäftigten dachten deshalb, er trägt ihn für seinen Verwandten. Erst später wurde klar, dass dem keineswegs so war.

Der Kontakt erwies sich aber zunächst als schwierig, da der 62-Jährige wegen seiner Krankheit nur sehr undeutlich sprechen kann. Sieglinde Golz : " Wir haben uns dann ganz ruhig hingesetzt, ihm zu essen und zu trinken gegeben. " Dabei wurde durch den älteren Herrn mehrfach glaubhaft versichert, dass er unbedingt in dem Heim bleiben möchte. Dessen Leiterin : " Glücklicherweise war ein Bett frei. " Die Nacht hat der unverhoffte Gast eigenem Bekunden nach gut geschlafen und gestern Vormittag bereits alle Formalitäten erledigt, wie beispielsweise den Aufnahmeantrag ausgefüllt. Sieglinde Golz : " Das geht uns allen schon sehr unter die Haut. " Sie selbst ist seit knapp zehn Jahren in der Einrichtung tätig und hat so etwas noch nie erlebt. Die Polizei übrigens auch nicht, wie sie feststellen durfte. Die Heimchefin : " Die Beamten waren sehr verständnisvoll. "

GSW-Geschäftsführerin Regina Wetzstein nimmt die Geschichte gelassener. " Wir sind halt so gut, dass die Leute schon von sich aus zu uns kommen ", sagt sie der Volksstimme auf Nachfrage. Ansonsten zeigt sie sich ebenso wie ihre Kollegin Sieglinde Golz erleichtert darüber, dass sich der Mann im Seniorenzentrum wohl fühle.

Allerdings könnte die Suchaktion zumindest für die Angehörigen des Wernigeröders noch ein finanzielles Nachspiel haben. Polizeisprecher Uwe Becker : " Im zuständigen Dezernat in Magdeburg wird gerade geprüft, ob eine anteilmäßige Beteiligung an den Kosten in Betracht zu ziehen ist. "