Wortgewaltig und musikalisch präsentierten sich am Aschermittwoch der Harzer Sozialdemokraten die Hauptakteure in der Bütt. Angeführt von Katrin Budde gab es in Wernigerode kräftige Rundumschläge an die große und kleine Politik sowie den schon traditionellen Gruß hinüber zu den Christdemokraten nach Darlingerode.

Wernigerode. Schwungvoller Auftakt : Rote Fähnchen wippten zum Schlager " Hurra, wir leben noch !" im Takt. Die rund 120 Gäste im Saal des Hotels " Stadt Wernigerode " sangen den Refrain mit Begeisterung mit. Eine zünftige Einstimmung auf den 13. Politischen Aschermittwoch, zu dem die Sozialdemokraten im Harzkreis erneut ein kurzweiliges Programm zusammengestellt hatten. Unter dem " gewagten Motto ", wie Moderator Mario Hennig verriet.

Das Mitglied des Vorstandes wie auch Kreischef Michael Schubert und alle anderen Büttenredner griffen die aktuellen Reizthemen der Bundespolitik auf, um nach Herzenslust zu lästern, zu schimpfen und zu attackieren. " Wir hätten die Veranstaltung auch ‚ Hau den Guido ‘ nennen können ", sagte Hennig. Doch man habe nicht geahnt, " dass ein Vizekanzler soooooo dämlich sein kann …".

" Kann er ", meinte Katrin Budde. Die frisch gewählte SPD-Landeschefin, mit dem Hit " Katharina, Katharina " begrüßt, stieg nach 2003 – damals als Wirtschaftsministerin – zum zweiten Mal als Hauptrednerin in die Harzer Bütt. Sie nahm die in Berlin regierende Wunschkoalition, " die sich gegenseitig zum Teufel wünscht ", auseinander. Mit einbezogen " unsere Conny " ( Pieper ), die der " Chefspalter der Nation " Westerwelle als Staatssekretärin mitgenommen hat. Budde : " Ihr wisst schon, die Conny, die geht, wenn die Arbeit kommt !" Applaus für ihren Vergleich : " Das ist so, als würde man Jürgen Drews und Verona Pooth zu den Dresdner Philharmonikern schicken, um die abendländische Kultur zu retten. " Zu Piepers persönlichem Fazit nach 100 Tagen christlich-liberaler Koalition, man habe mit konsequentem Handeln dafür gesorgt, dass Deutschland gestärkt aus der Krise kommen kann : " Ich glaube, die Dame hat zu viel Mövenpick-Eis gegessen. Da kann es schon mal zu zeitweiliger Unterkühlung des Gehirns kommen. "

Schonungslos auch Katrin Buddes Blick auf ihr eigenes Betätigungsfeld – dem Landtag in Magdeburg – und besonders auf die Konkurrenz bei der kommenden Wahl am 20. März 2011. Sie sei gespannt, wie sich der CDU-Kandidat Haseloff schlägt, wenn " Garant Böhmer von Bord ist ". Katrin Budde : " Begierig wartet Kronprinz Reiner I. darauf, dass Wolfgang der Heiler zur letzten Visite in die Staatskanzlei schreitet. Krankenschwester Monika an seiner Seite und Oberarzt Dr. Karl-Heinz Daehre im Schlepptau. " Doch die beiden werde Haseloff wohl nicht in sein neues Reich mitnehmen wollen.

Das Dreigestirn der Union, witzelte die Sozialdemokratin weiter, könnte als Bauer Dr. Aeikens komplettieren, oder Madl, " genannt Thomas der Pate, dickköpfig genug wäre er ". Als Jungfrau sei ihr " Hendrik der Feinsinnige " ins Auge gesprungen. " Seines Zeichens Feingeist, Kultusminister und Mimose ", passe Jungfrau wirklich, denn Olbertz " ziert sich wie eine Zicke am Strick, in die CDU einzutreten " und ebenso " die Defekte im Bildungssystem zu beheben ". Stattdessen versuche er " mit seinen Hofnarren Feußner und Schellenberger, den Bildungskonvent in ein Tollhaus " zu verwandeln.

Katrin Budde prophezeite den Schwarzen, " wenn das so bleibt ", eine " bittere Lektion ", und sie sehe schon " Kronprinz Reiner mit Zuckerwatte um die Ecke kommen ", weil die CDU ja unbedingt regieren wolle. Ihre Empfehlung : " Lässt Haseloff die Hofnarren zu Hause, laden wir ihn mal zum Käffchen ein. "

Närrisch auch wieder der musikalische Gruß " Heißer Sand und ein verlorenes Land " an die in der Sandtalhalle in Darlingerode versammelten Christdemokraten. Wie Moderator Hennig versicherte, habe das Lied an Aktualität nicht verloren und sei erneut dem Uli ( Ulrich Thomas ) und seiner Heike ( Brehmer ) gewidmet. Übrigens musikalisch und satirisch selbstkritisch die Auswertung der eigenen Wahlschlappe, vorgetragen von Mario Hennig und Nadine Hampe, Landtagsabgeordnete aus Sangerhausen. Zur Schlagermelodie " Immer wieder sonntags " erinnerte das Duett an die Septembernacht, auch an die Zeit danach und stellte fest : " Hurra, wir leben noch !"

Dies unterstrichen auch die anderen in der Bütt. Dirk Heinemann löste zugleich sein Versprechen ein und lieferte die 2009 geforderte Zugabe ab. Dabei gab sich der Bürgermeister von Wülperode wieder charmant selbstbewusst : " Millionen Frauen lieben mich. " Der Ex-Bundestagsabgeordnete Andreas Steppuhn, mit dem Titel " Der Hauptmann von Köpenick " begrüßt, berichtete zur Lage der Nation, bevor zum Song " König von Deutschland " Ronald Brachmann das Mikrofon übernahm. Der Drübecker gab diesmal sein Insiderwissen aus dem Landtag in einer Powerpoint-Präsentation zum Besten.

Pfiffiger Abschluss : Dutzende roter Fähnchen steckten plötzlich spät abends vor der Sitzungshalle der Schwarzen in Darlingerode im Schnee – " Hurra, wir leben noch !"