Stapelburg ( rar ). Egal, ob am Tag oder mitten in der Nacht : wenn im Fernsehen Damentennis läuft, ist die jetzt 90-jährige Käthe Stagge aus Stapelburg ganz in ihrem Element. Das hat sie schon immer gern gesehen, war aber noch nie live dabei. Einmal hätte es beinahe geklappt, aber Steffi Graf musste das Spiel in Leipzig kurzfristig absagen. Wenn die Herren Tennis spielen, hält sich ihr Interesse allerdings deutlich in Grenzen : " Das ist mir einfach zu schnell. "

Geboren in der Bokestraße in Altenrode, wurde sie als Tochter eines Arbeiters der Firma Rautenbach. In der Schule war sie gut. " Nur mit Sport konnte man mich jagen ", so die Tennisbegeisterte rückblickend. In der Grovesmühle, damals ein Kinderheim für elternlose Jungen und Mädchen, lernte sie Köchin. Später folgte sie ihrem Mann, Wilhelm Stagge, nach Hamburg. Dieser betrieb im gemeinsamen Haus in Stapelburg ein kleines Friseurgeschäft. Als sie das in den fünfziger Jahren aufgeben mussten, wechselten beide in die Landwirtschaft, wo sie bis 1989 arbeitete. Zu diesem Zeitpunkt war Käthe Stagge schon lange Rentnerin, machte aber den Jungen mit ihrem Arbeitseifer immer noch etwas vor. " Das glaube ich nicht, daß ich 90 bin ", meinte sie an der Geburtstagstafel im Kreise ihrer zwei Töchter, Freunde sowie des Bürgermeisters Hilmar Rasche und der Volkssolidarität. Und die wollten es eigentlich auch nicht so recht glauben. Immerhin beantwortete die Jubilarin jede noch so neugierige Frage aus ihrem bewegten Leben selbst und wie aus der Pistole geschossen. Sogar die steilen elf Stufen hoch in die erste Etage meisterte sie mühelos. Wer so geistig und körperlich fit ist, geht locker auch mit 80 durch. Doch ihr Ausweis sagt mit " 1920 " tatsächlich etwas anderes aus. Die Maloche auf dem Feld habe sie fit gehalten und freilich auch ihre beiden Töchter. " Ob ich 100 werden will ? Das lasse ich mal an mich rankommen. "