Im Wernigeröder Rathaus wird ein " Schatz " gehütet – das Goldene Buch der Stadt, in das sich prominente Gäste der bunten Stadt sowie verdienstvolle Bürger als besondere Ehre eintragen dürfen. Darin geblättert haben bisher nur wenige. Die Harzer Volksstimme hatte nun Gelegenheit dazu.

Wernigerode. Goldenes Buch der Stadt, Gästebuch des Oberbürgermeisters – und jetzt ganz neu ein Ehrenbuch des Sports. Wer es in Wernigerode zu etwas gebracht hat oder auch prominente Gäste der bunten Stadt können sich in diesen gebundenen Kostbarkeiten verewigen. Doch wer hat eigentlich im Laufe der Jahre darin unterschrieben ? Ist das Goldene Buch wirklich aus Gold ? Und wo genau wird es aufbewahrt ? Harzer Volksstimme fragte im Rathaus nach und schmökerte dabei ein wenig im wertvollsten Ehrenbuch.

Zu allererst : das Goldene Buch ist nicht aus Gold. Weißer Ledereinband mit der Aufschrift " Rat der Stadt Wernigerode " und einem Stadtwappen aus Emaille, die Seiten aus Büttenpapier – zu DDR-Zeiten hergestellt. Der Inhalt ist sogar noch wertvoller. Denn die Eintragung in dieses Buch ist eine besondere Ehre und nur wenigen vorbehalten, erklärt Andreas Meling, der als Chef des Oberbürgermeister-Büros auch für die Ehrenbücher verantwortlich ist.

Weißer Ledereinband

und Emaillewappen

Die ersten Unterschriften darin stammen aus dem Jahr 1983. Am 11. November jenes Jahres waren die Parteiveteranen des Ministeriums für Nationale Verteidigung in Wernigerode zu Gast. " Es erfüllt uns mit Freude und Genugtuung zu sehen, wie die Werktätigen des zweitgrößten Industriekreises des Bezirks Magdeburg um die Erfüllung der gestellten Planaufgaben ringen und die Bürger ihre Stadt im ‚ Mit-Mach-Wettbewerb ‘ gestalten ", heißt es da, darunter die Unterschriften etlicher Veteranen.

Ebenso seit 1983 im Goldenen Buch vertreten sind Ehrenbürger der Stadt ( Werner Toerne – 1. Sekretär der SEDKreisleitung ), Kunst- und Kulturpreisträger ( z. B. FDJ-Chor der EOS " Gerhart Hauptmann ", Hans-Wilhelm Vogt, die Fidelen Blasmusikanten ) sowie zahlreiche Parteifunktionäre. Am 25. September 1989 dann gar ein Eintrag aus dem " Feindesland ". Anlass waren die Besiegelung der Städtepartnerschaft mit Neustadt an der Weinstraße und der Besuch des Neustadter Oberbürgermeisters Dieter Ohnesorge. Die letzte Eintragung zu DDRZeiten stammt übrigens vom VEB Ziegelwerke Magdeburg Betriebsteil Harzer Baustoffwerke – als Ehrenpreisträger der Stadt Wernigerode. Danach mindestens zehn leere Seiten. " Als Zäsur ", erklärt Andreas Meling.

Erst am 31. Mai 1990 geht es schließlich mit den Unterschriften der neugewählten Stadtverordneten weiter, darunter u. a. Andreas Heinrich, Siegfried Siegel, Gottfried Werther, Renate Goetz, Regina Grothe, Dieter Kabelitz und Reinhard Wurzel.

Bis dahin fallen die Einträge weder durch ein spezielles Design noch durch eine einheitliche Form auf. Das soll sich ab 1991 ändern. Ein goldener Rahmen umrandet den Text, auch die Schrift ist goldfarben. Die Unterschriften werden ebenfalls prominenter : z. B. Hans-Dietrich Genscher als Außenminister, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger,

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner, die Bundespräsidenten Roman Herzog und Johannes Rau, Gerhard Schröder als Ministerpräsident Niedersachsens und später noch mal als Bundeskanzler.

Dazwischen in jedem Jahr Wernigerodes Stadtschützenkönige sowie die Kunst- und Kulturpreisträger und ab 2007 die Träger des Umweltpreises. Andere Geehrte aus der bunten Stadt sind z. B. Michael Ermrich für seine Verdienste als Landrat des Kreises Wernigerode, Ludwig Hoffmann bei seiner Verabschiedung nach 14 Jahren im Oberbürgermeistersessel, Hans-Peter Grünig als Weltmeister im Straßenradrennen ( in seiner Altersklasse ) und Rainer Schulze gleich zweimal ( als Kunstpreisträger und als Träger des Bundesverdienstordens ).

Jedes Mal Angst vor

Rechtschreibfehlern

Mit den Jahren werden die Unterzeichner zunehmend internationaler. So verewigten sich gleich zwei vietnamesische Botschafter im Goldenen Buch, außerdem Silvio Fagiolo, der Bürgermeister der italienischen Partnerstadt Carpi, Nemak-Präsident Manuel Rivera aus Mexiko und weitere Unterschriften aus Israel, Ruanda, der Schweiz.

Mit jedem Eintrag ist auch eine protokollarische Strecke verbunden – ein würdiger Empfang mit ausgewählten Gästen. Dabei ist Andreas Meling der Besuch von Johannes Rau besonders in Erinnerung geblieben. Der damalige Bundespräsident weilte im Jahr 2000 als Gast des vasten collegs in Wernigerode. Beim Empfang im Rathaus habe es " wahnsinnig viele Sicherheitsvorkehrungen " gegeben. Wachleute, Hundestaffeln. " Und sogar wenn man auf die Toilette wollte, brauchte man eine Genehmigung. " Andere Anekdoten ? – So viele. Aber er habe jedes Mal aufs Neue Angst, dass sich in die Eintragungen ein Rechtschreibfehler einschleicht. " Man stelle sich vor, ein ausländischer Botschafter schaut auf die Seite und sagt : ‚ Mein Name ist falsch geschrieben ‘. Das wäre doch furchtbar. "

Halbvoll ist das Goldene Buch der Stadt Wernigerode – " Noch jede Menge freie Seiten für prominente Besucher und herausragende Bürger der bunten Stadt ", sagt Andreas Meling, schlägt das Buch zu und legt es wieder in den Schrank in seinem Büro. Dort wird es aufbewahrt – bis zur nächsten Eintragung.