Haus & Grund Wernigerode feiert sein 20-jähriges Bestehen. Am 13. Januar 1990 hatte Otto-Gerhard Büchting in der Volksstimme einen Aufruf zur Vereinsgründung gestartet. Gut einen Monat später folgten etwa 200 Interessenten seiner Einladung. Bis heute vertritt die Schutzgemeinschaft der Eigentümer erfolgreich die Belange ihrer Mitglieder. Und das seit 1994 sogar im Stadtrat.

Wernigerode. " Wir waren wahnsinnig frustriert von der DDR-Zeit " erinnert sich Otto-Gerhard Büchting. Die Hausbesitzer hatten hohe Kosten für den Unterhalt ihrer Immobilien, aber nur geringe Mieteinnahmen. Für den Wernigeröder war dies der Anlass, am 13. Januar 1990 in der Volksstimme einen Aufruf zur Bildung einer Interessenvertretung der Betroffenen zu starten. Gut 80 Rückmeldungen zeigten ihm, dass er nicht allein war mit seiner Meinung.

Bereits am 24. Februar wurde die Gründungsversammlung in der damaligen Agraringenieurschule, Leninstraße 54, im Stadtteil Hasserode ausgerichtet. Büchting : " Der Speisesaal war restlos überfüllt, über 200 Leute da. " Und : " 63 von ihnen sind sofort Mitglied geworden. " Dem dann am 17. April bei der Jahreshauptversammlung gewählten ersten Vorstand gehörten er als Vorsitzender, Carola Kalks ( Stellvertreterin ) sowie Frank Festerling, Dietmar Steppat, Wilhelm Saalfeld, Angelika Welk und Ursel Unger an. Deren Beratungen fanden zunächst in Familie Büchtings Wohnzimmer Auf der Marsch statt. Otto-Gerhard Büchting : " Mein früherer Chef Alfred Bothe hat uns sehr unterstützt. Wir hatten doch alle kein Telefon. " Dessen private Polsterei in der Breiten Straße wurde zum provisorischen Büro. Bereits am 18. April folgte die amtliche Aufnahme im Vereinsregister. Als laufende Nummer 12. Durch einen " glücklichen Umstand " klingelten alsbald drei hochrangige Mitglieder des Bundesverbandes von Haus & Grund bei Büchtings an der Haustür. Die Herren hatten ihre Jahrestagung in Goslar für einen Abstecher nach Wernigerode genutzt und das Vereinsschild im Fenster gesehen. Büchting : " Sie haben richtig Hilfe geleistet, auch materiell bis hin zu Bargeld. "

" Wir wollten endlich mal Recht haben "

Im Herbst 1990 erhielten die Eigentumsschützer zwei Räume in einer Baracke neben der damaligen SED-Kreisleitung an der Lindenallee. Die Zahl der Mitglieder entwickelte sich rasant. 1990 waren es 109, 1994 bereits 537. Der heutige Ehrenvorsitzende : " Damals ging es uns ums sture Mietrecht. Wir wollten endlich mal Recht haben und nicht nur die Zahler sein. " Die Schwerpunkte änderten sich im Laufe der Zeit, Themenfelder wie z. B. das Kreditrecht wurden aktuell.

Otto-Gerhard Büchting gab sein Amt 1993 an Carola Kalks-Gebhardt ab. Der 66-Jährige : " Sie ist eine tolle Vorsitzende und der aktuelle Vorstand arbeitet sehr eng zusammen. " 1999 musste er aus familiären Gründen auch aus dem Stadtrat ausscheiden. Sein Fazit nach 20 Jahren : " Niederlagen ? Nein, die gab es nicht. Menschliche Enttäuschungen aber schon. " Für die Zukunft wünscht er sich, dass Haus & Grund die Vereinskultur stärker pflegt und die geleistete gute Arbeit besser in der Öffentlichkeit verkauft. Das gilt auch für die im Stadtrat engagierten Mitglieder. Seit 1994 ist die Vereinigung dort vertreten. Das ist bundesweit einmalig.

Aussagen, die Carola Kalks-Gebhardt inhaltlich grundsätzlich unterstützt. Die 46-Jährige leitet bis heute die Geschicke der Wernigeröder, im Übrigen seinerzeit die erste Schutzgemeinschaft für Eigentümer in Sachsen-Anhalt. Zudem wurde im Januar 1991 auch der Landesverband in der bunten Stadt am Harz gebildet.

Für die nächsten fünf Jahre hofft die Vorsitzende, " dass wir es schaffen, die Jugend für uns zu mobilisieren ". Auch die Rückkehr zu einer Solidargemeinschaft, dem Ursprungsgedanken bei der Gründung soll gelingen.

Am Donnerstag, 25. Februar, wird aber zunächst einmal 20 Jahre Haus & Grund Wernigerode im Großen Festsaal des Rathauses gefeiert. 80 geladene Gäste werden dazu erwartet.