Thale / Wernigerode. Der Brocken ist das wichtigste Ausflugsziel im Harz. Auf Platz zwei steht das Bodetal bei Thale, hat eine wissenschaftliche Studie festgestellt. Beide Ziele per Schienenstrang zu verbinden, dazu soll die Verwaltung im Thalenser Rathaus Möglichkeiten prüfen und Lösungsvorschläge unterbreiten.

Diesen Beschlussantrag brachte die CDU-Fraktion zur jüngsten Stadtratssitzung ein. Eine Verbindung von Brocken und Bodetal durch ein verlängertes Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen ( HSB ) aus Richtung Quedlinburg oder Wernigerode über Blankenburg nach Thale würde zu erheblichen Synergieeffekten für beide Attraktionen führen, heißt es in dem Beschluss.

CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Querfurth erinnerte in seinen Erläuterungen daran, dass es bereits einige Erweiterungsideen gibt, zum Beispiel nach Pullmann City bei Hasselfelde oder nach ins niedersächsische Braunlage. Viele Weichen müssten für eine HSB-Verlängerung nach Thale aber noch gestellt werden.

Ein erster Schritt dazu wäre aber getan, wenn die Stadtverwaltung die Initiative ergreift.

Für die Linke begrüßte Frank Schubert den CDU-Vorstoß. Schließlich würden 18 Prozent der Harzbesucher wegen der Schmalspurbahn

kommen, wie eine Studie der Hochschule Harz belegt habe. Allerdings

würde eine Thale-Anbindung an das HSB-Streckennetz erhebliche Kosten verursachen. Bei einer möglichen Verbindung von Elend nach Braunlage werde von elf Millionen Euro ausgegangen. Für die 14 Kilometer bis zum Anschluss ans Quedlinburger Gleis wären etwa 14 Millionen Euro notwendig, hieß es in Thale.

Skepsis angesichts der Haushaltslage

Frank Schubert erklärte, dass die bestehende sogenannte Regelspurstrecke von Blankenburg nach Elbingerode vom Land gefördert werde und eine Erweiterung bis Drei-Annen-Hohne möglich sei. Der CDUAntrag sollte deshalb erweitert werden und auch eine " Regelspuranbindung " über Blankenburg einbezogen werden. Somit könnte sich der Weg zum Brocken von sechs Stunden auf zweieinhalb verkürzen.

Bürgermeister Thomas Balcerowski ( CDU ) sieht diesen Vorschlag aber als unrealistisch an. Mit der Erweiterung des Industriegebietes " Lager Wiese " sei der Bahndamm abgetragen worden. So scheide der alte Bahnhof Bodetal als Station aus. Es müsste also eine völlig neue Bahntrasse entstehen. Zum CDU-Antrag merkte Klaus Blumenthal ( Linke ) an, dass es gut wäre, wenn alle Stadträte in den Vorschlag eingebunden sind und bat darum, ihn als Antrag des Stadtrates einzubringen.

Heiko Marks ( Grüne / Bürgerfraktion ) sagte, dass der Antrag bereits im Hauptausschuss des Thalenser Stadtrates diskutiert worden sei. Die Idee sei als solche lobenswert. Doch angesichts der Haushaltslage müsse die Frage gestellt werden, ob sie Sinn mache. Bei der Abstimmung wurde der Antrag bei drei Enthaltungen mit deutlicher Mehrheit angenommen und damit Thales Bürgermeister Balcerowski beauftragt, Möglichkeiten für einen Schmalspuranschluss auszuloten.

Auf Volksstimme-Nachfrage reagierte die Harzer Schmalspurbahn in Wernigerode gestern zunächst zurückhalten. Firmensprecher Dirk Bahnsen : " Ich werte dieses Ansinnen als Anerkennung unserer Leistungskraft. " Die HSB sei bereits per Anschreiben über diesen Ratsbeschluss " formell informiert " worden. Allen Ideen, Vorschläge und Projekte, die dem Tourismus im Harz und sogleich dem Verkehrsunternehmen Harzer Schmalspurbahnen dienten, stünden die Wernigeröder positiv gegenüber, bekräftigte Bahnsen. Zugleich musste der HSB-Sprecher jedoch darauf hinweisen, dass nicht nur die technischen Möglichkeiten einer Bodetal-Brocken-Verbindung zu prüfen seien. Bahnsen : " Die Frage der Finanzierung stellt sich bei allen unseren Vorhaben. Zur Idee aus Thale muss ich schon heute feststellen, ohne staatliche Förderung ist so etwas wohl kaum zu verwirklichen. "