Mit dem Entwurf eines zweiten Wappens für die Stadt Oberharz reagiert Heraldiker Jörg Mantzsch kurz vor der Stadtratstagung heute auf vehemente Bürgerhinweise. Der Alternativentwurf zeigt eine Krone mit Bezug auf den Bannforst mittelalterlicher deutscher Herrscher im Gebiet der Oberharzstadt. Damit gibt es nun zwei Entwürfe.

Elbingerode/Hasselfelde/Benneckenstein. Das bisher vorgeschlagene Wappen für die Stadt Oberharz erregt die Gemüter.
Und zwar so sehr, dass die Debatte nach den Beiträgen der Harzer Volksstimme in den Ausgaben vom 21. und 23. Januar noch letzten Sonntag besonders hohe Wellen schlug. Grund und Tenor: Der Hirsch
wird, bei aller heraldisch feinen Unterschiedlichkeit, offenbar
doch sehr mit Wernigerode / Stolberger Grafen und Elbingerode assoziiert. Er drücke nicht die Gemeinsamkeiten
der Mehrheit der Orte von Hasselfelde, Benneckenstein
und Umgebung aus, hieß es.

Keine Goldkrone, aber eine in Rot-Gelb ...
Deshalb meinten etwa Leser aus Blankenburg, statt des Hirsches seien lieber Beil und Säge als Zeichen für die Zunft der Forstleute in das Wappen aufzunehmen. Ein Leser in Benneckenstein schlägt sogenannte Beizeichen zum Wappen vor, die das Haselnussblatt
von Hasselfelde und Symbole des Hl. Laurentius aus Benneckensteins
Wappen zu den bisher diskutierten Zeichen hinzusetzen. – Das sei jedoch bei einem Kommunalwappen nicht genehmigungsfähig, so
Experte Jörg Mantzsch gestern auf Nachfrage dazu. Auch bei ihm hatte am Sonntag das Telefon heftig geklingelt.
Gleich mehrere Oberharzer um den Ehrenvorsitzenden des
Kultur- und Heimatvereins Benneckenstein, Manfred
Heyder, baten um einen Neuansatz bei der Wappensuche. Mit dabei : Chronist Günther Breutel ( Elbingerode ), Zeichner Peter Klein ( Benneckenstein ), Gerhard Bock ( Arbeitskreis Heimatgeschichte Hasselfelde ) und Chronist Jürgen Kohlrausch ( Benneckenstein ). Es müsse doch möglich sein, so ihr Ansinnen, noch eine andere historische Verbindungslinie zwischen all den Orten zu finden und heraldisch korrekt in einem Wappenentwurf widerzuspiegeln.
Angeregt wurde von den Harzern, die Historie eines Großteils des Gebietes zwischen Stiege und Elend als jahrhundertelanger Reichsbannforst deutscher Könige und Kaiser zu symbolisieren ...

Das sei tatsächlich möglich, reagierte Kommunalheraldiker Mantzsch auf den Vorstoß und entwarf noch am Sonntag – quasi in letzter Minute vor der Tagung heute Abend – einen Alternativvorschlag für das Wappen der Stadt Oberharz. Es zeigt neben Dreiberg, Gezähe und Bäumen eine Krone. Nicht in Gold, wie von den Engagierten gewünscht, das sei heraldisch nicht möglich, so Mantzsch, aber in Rot-Gelb.

Aktion in letzter Minute vor der Tagung heute
Die Krone gehe zurück bis auf Karl den Großen sowie die Ottonenkaiser und zeige die Lilie, erläuterte Mantzsch. Diese stehe für Reinheit, Unschuld und die heilige Dreifaltigkeit ( drei Blätter ). Der Kopfschmuck symbolisiere die Geschichte als Reichsbannforst der mittelalterlichen Herrscher, von denen immerhin 17 Aufenthalte im Bereich der künftigen Stadt nachweisbar seien. " Mehr als in Magdeburg ", staunte der Heraldiker in der Landeshauptstadt. Er favorisiere persönlich zwar weiter das Hirschwappen, ließ Mantzsch auf Nachfrage durchblicken, aber auch das Wappen mit der auf den Bannforst bezogenen Königskrone sei heraldisch korrekt und genehmigungsfähig. Der Experte : " Die Alternative ist historisch gerechtfertigt und nun wirklich allgemeinverbindlich für die Ortschaften der Stadt Oberharz am Brocken. "

Der Alternativ-Vorschlag wird allen Räten zur Tagung heute Abend als Eil- oder Tischvorlage zugeleitet.